OÖ. Wenn Kinder erkranken, ist die liebevolle und fürsorgliche Betreuung der Eltern besonders wichtig. Dazu gehören auch körperliche Nähe und Unterstützung. Doch gerade dieser enge Kontakt sollte in der Pflege coronakranker Menschen ja eigentlich vermieden werden ...

Wie Kinder und Jugendliche bei einer nachgewiesenen Infektion zu Hause betreut werden und die Familie mit dieser Ausnahmesituation zurechtkommen kann, weiß Pflegespezialistin Eva Hoffmann, MSc, von der FH Gesundheitsberufe OÖ.
„Das Coronavirus betrifft Kinder nach derzeitigem Wissenstand seltener als Erwachsene und die Erkrankung verläuft meist mild. Häufig treten wenige bis gar keine Symptome auf. Gerade deshalb gelten Kinder und Jugendliche vorwiegend als Überträger“, sagt Eva Hoffmann, MSc, Mitglied des Lehr- und Forschungspersonals am Studiengang Gesundheits- und Krankenpflege. Für an Corona erkrankte Kinder und Jugendliche gelten grundsätzlich die gleichen Maßnahmen bei häuslicher Quarantäne wie für Erwachsene: sorgfältige Handhygiene, Abstandhalten, Mund-Nasen-Schutz und die Isolation im eigenen Zimmer. Diese Maßnahmen sind mit TeenagerInnen eher durchführbar, doch je kleiner die Kinder sind, desto weniger lassen sie sich umsetzen.

Hygieneregeln spielerisch vermitteln
Kinder bis ins Volksschulalter brauchen Unterstützung bei Körperpflege und Nahrungsaufnahme, aber auch in der Umsetzung und Einhaltung der Hygieneregeln. Da sie die empfohlene Zeitspanne von 30 Sekunden für das Handwaschen kaum einschätzen können, helfen ein Timer oder ein Lied – beispielsweise „Happy Birthday“ zweimal gesungen. Es gibt auch sehr viele gute Apps und Erklärvideos im Internet. „Zur Überprüfung der Handhygiene gibt es einen Trick: Einfach dem Kind am Morgen einen Kreis mit einem hautverträglichen Stift auf den Handrücken malen, und wenn dieser am Abend fast verschwunden ist, sind die Hände gewissenhaft gewaschen worden“, empfiehlt die Expertin.

Maßnahmen gemeinsam umsetzen
In der Krisensituation heißt es, sich von üblichen Gewohnheiten verabschieden. Größere Kinder und Jugendliche dürfen jetzt vielleicht auf der Couch essen, um den Abstand einzuhalten. Für Eltern gilt: Nicht das gleiche Glas oder Besteck wie das erkrankte Kind benützen und auch übrig gebliebene Speisen nicht aufessen. Benötigt das Kind Hilfe beim Zähneputzen, vorher gemeinsam Hände waschen. Eigene Hygieneutensilien wie Seife und Handtücher sind ebenso wichtig wie das tägliche Wechseln aller Geschirr- und Handtücher im Haushalt. Nach jedem Gang ins Bad oder WC sollte ein Elternteil alle Oberflächen mit einem Haushaltsreiniger abwischen. Es wird empfohlen, die Türgriffe einmal täglich zu reinigen. Oft brauchen Kinder die wiederholte Anweisung, nicht in die Hand zu niesen oder zu husten oder Taschentücher nach einmaligem Gebrauch zu entsorgen. Durch regelmäßiges Lüften der Wohn- und Schlafzimmer werden die infektiösen Aerosole verringert.

Erste Hilfe bei Symptomen
Wenn sie Symptome zeigen, leiden coronakranke Kinder häufig an Fieber und Husten. Verstärken sich die Beschwerden, sollte unbedingt ärztlicher Rat eingeholt werden. Wie bei einem fieberhaften Infekt gilt es nun darauf zu achten, dass das Kind ausreichend trinkt. Suppen, Pudding oder wasserreiches Obst und Gemüse unterstützen die Flüssigkeitszufuhr. Medikamente gegen Fieber oder Husten sollten bei Kindern nur nach ärztlicher Anordnung verabreicht werden. Bei leichtem Fieber empfiehlt die Spezialistin eine großflächige Auflage mit kühlem Topfen im Brustbereich, bei Husten einen Wickel mit lauwarmem Topfen – ebenfalls im Brustbereich. Eine aufrechte Sitzposition im Bett unterstützt die Atmung, die Raumluft wird mit nasser Wäsche auf dem Trockner oder einem feuchten Handtuch über dem Heizkörper befeuchtet. Größere Kinder können auch Hustenzuckerl lutschen, damit die Speichelproduktion angeregt und der Hustenreiz gemildert wird.

Kindgerechte Information
„Die Kommunikation in der Familie sollte ehrlich und vor allem altersgerecht sein. Kinder merken aufgrund des Verhaltens der Eltern, dass etwas anders ist. Die Informationssendungen im Fernsehen sind für Erwachsene verständlich, aber sie verunsichern und verängstigen Kinder“, betont Eva Hoffmann. „Besser den Fernseher ausschalten und gemeinsam spielen oder Geschichten vorlesen – unter Einhaltung der Regeln – das tröstet Kinder in dieser schwierigen Zeit.“