STEYR. Der Schlaganfall zählt gleich nach Unfallschäden zur zweithäufigsten Ursache für bleibende Behinderungen bei Erwachsenen. Die körperlichen Folgeerscheinungen – gerade wenn Betroffene den Schlaganfall nicht rechtzeitig erkennen – können einschneidend sein. Umso bedeutungsvoller ...

ist daher nach erfolgreicher Notfallversorgung eine frühzeitige Rehabilitation. Im Zuge des Tages gegen Schlaganfall am 10. Mai informiert das LKH Steyr über eine neue vielversprechende Methode mit Botulinumtoxin (bekannt unter Botox) zur Behandlung von Muskelspasmen und Fehlstellungen.

Diese bilden sich häufig aufgrund des vorangegangenen Schlaganfalls und erschweren die Körperarbeit. Als eines der ersten Spitäler in Österreich setzt das LKH Steyr bei der Therapie von Schlaganfallpatient/-innen auf dieses neue Verfahren. „Botolinumtoxin kann unter anderem bei Spastik und Dystonien, also Fehlhaltungen zum Einsatz kommen“, weiß OA Dr. Helmut Grantl-Pühringer, Facharzt für Neurologie am LKH Steyr.

Viele Schlaganfallpatient/-innen entwickeln Versteifungen in den Gelenken, etwa bleiben die Finger in einer bestimmten unnatürlichen Position „stecken“. Aber auch in diesem Zusammenhang auftretende starke Schmerzen oder vermehrter Speichelfluss können mit dieser Methode behandelt werden.

Die Beweglichkeit im Alltag sowie die tägliche Pflege werden somit noch zusätzlich erschwert. Man spricht hier von Sekundärkomplikationen eines Schlaganfalls. Therapieoptimierung durch künstlich herbei geführte Muskellähmung „In der Behandlung von neurologischen Erkrankungen, zu denen auch der Schlaganfall zählt, wird Botox zur Lähmung einer abnormen Muskelfunktion eingesetzt“, so der Experte, „damit können wir den Muskel in den gewünschten Schwächezustand versetzen, wodurch die Behandlung mittels Physiotherapie und das darauffolgende Training effizienter durchgeführt werden kann.“

Schlaganfall nach wie vor im Spitzenfeld für Todesursachen

Der Schlaganfall zählt neben den Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu den häufigsten Todesursachen in den westlichen Industriestaaten. Auch in Österreich erleidet statistisch gesehen etwa alle sechs Minuten ein/-e Österreicher/-in einen Schlaganfall. Grund für diese Entwicklung ist nicht zuletzt die demografische Entwicklung.

Mit dem Lebensalter steigt das Schlaganfallrisiko deutlich an. Aber auch andere Faktoren wie erhöhte Blutfette, Zuckerkrankheit, Alkoholismus, Rauchen oder Bluthochdruck können die Entstehung eines Schlaganfalles begünstigen. Auch im LKH Steyr werden pro Monat etwa 20 Schlaganfallpatient/-innen behandelt.

Der Experte rät dazu, erste Alarmzeichen ernst zu nehmen: „Bei vielen Patient/-innen tritt vor dem eigentlichen Schlaganfall ein sogenanntes „Schlagerl“ auf.“ Dieser Vorbote ist beispielsweise an Sprechproblemen, Sehproblemen bzw. einer Schwäche in Arm oder Bein zu erkennen.

Selbst wenn diese Störungen nach kurzer Zeit wieder verschwinden, sollte auf jeden Fall medizinische Hilfe in Anspruch genommen werden. Unbehandelt erhöht sich das Risiko, einen Schlaganfall in den darauffolgenden Jahren zu erleiden, um bis zu 25 Prozent.

Ruhe bewahren und Hilfe anfordern

Haben Personen den Verdacht, einen Schlaganfall zu erleiden, ist in erster Linie Ruhe bewahren angesagt. „Fordern Sie unverzüglich Hilfe an und halten Sie, wenn Sie dazu in der Lage sind, Ihre täglichen Medikamente zur Mitnahme ins Spital bereit“, so OA Dr. Grantl- Pühringer.

Außerdem ist es ratsam, keine Nahrung mehr zu sich zu nehmen und zudem auf blutsenkende Medikamente zu verzichten, da der Blutdruckabfall die Hirnblutung noch zusätzlich verschlechtert.