BERNHARD SCHNUR & BAND

Kategorie
Konzerte
Datum
2018-09-28 21:00
Veranstaltungsort
Kulturverein Röda

Wenn Bernhard Schnur tanzen will, weil ihm die Welt auseinanderzufallen droht, tut er das auf Französisch. Wenn ihn Eifersucht überfällt, erfindet er einen türkischen Sinnspruch. So kennt man ihn: Umgeben von Melodie und forsch geschlagenen Instrumenten überschreitet der Sänger und Gitarrist Grenzen, die für die meisten anderen Musiker die weiten, leeren Räume zwischen unbekannten Planeten sind. Auf seiner neuen, dritten Platte „Atom“ tut er das in neuer Qualität: Mit fast schon manischer Verve und fantastischem Detailreichtum.

„Atom“ – das scheint zunächst ein eher antizyklischer Titel zu sein. Er bezeichnet eine nicht gerade beliebte Technologie. Auf dem Cover der Platte prangt in einer Collage aus unzähligen Figuren und Gegenständen ein aufgeschnittener Karfiol, der einem psychedelischen Atompilz nicht unähnlich sieht. Schnur lädt auf der Platte zur Magical Mystery Tour durch seine Ideen, seine Auswege, seine Arrangements. Und gerade die Arrangements sind es, die viele der Lieder zu kleinen Meisterwerken machen. Schnur hat erstmals eine Platte mit Homerecording-Methoden vorbereitet. Er konnte ausprobieren, was er wollte, solange es ihm passte. Das Resultat ist überwältigend. Wenn man bei Schnur-Konzerten öfter den Eindruck hatte, im Kopf des Sängers würde eine Vielzahl von Harmonien und Geräuschen aufpoppen, die nur er hört: Hier sind sie alle da. Die süße Orgelmelodie im Liebeslied „The Shining“, die Slide-Gitarre in „Breathe“, der unheimliche Prozessions-Chor in „Golden Jesus“. Und unzählige mehr, was auch an Jazzer Christoph Cech liegt, der für drei Lieder Bläser- und Streicherarrangements geschrieben hat.

Im vorletzten Stück „Open the Sluicegates“ überflutet ein zorniger aber auch reuiger und „Dub-dubididu“ singender Gott die Welt mit Wasser. Schnurs Stimme klingt seltsam tief und leicht verzogen, dafür braucht er freilich kein Effektgerät, das kann er selber. Das letzte Lied ist das ruhigste und sozusagen das Titelstück: „L’Atome“, schlicht, vieldeutig, sehnsüchtig. Und spätestens jetzt dämmerts: „Atom“ hat in erster Linie mit den Bestandteilen der Welt zu tun; die Platte ist eine Feier all jener kleinen und grossen Dinge, die eine gelungene Gegen-Schönheit ausmachen. Let’s celebrate! Goo goo g’joob!
Für Fans von: The Beatles (eh klar), MGMT, Goran Bregovic’s Wedding & Funeral Band

 
 

Alle Daten

  • 2018-09-28 21:00

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