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Den Teufelskreis brechen: Der Kniegelenksarthrose durch Sport den Kampf ansagen

STEYR. Beinahe jede/r zweite 70Jährige ist von Kniearthrose, einer durchaus schmerzhaften, fortschreitenden Abnützungserscheinung betroffen. Aber auch immer mehr „junge“ Patientinnen und Patienten leiden unter der Abnutzung der Kniegelenke ...

Viele Betroffene schonen sich, weil sie Schmerzen haben oder verunsichert sind welche Belastung sie ihren Gelenken zumuten dürfen. Dabei würde gerade der richtige Sport helfen, das Fortschreiten der Arthrose zu bremsen. Die Experten der Orthopädie am Landes-Krankenhaus Steyr klären auf.

Die Gelenkflächen unseres Ober- und Unterschenkels sind mit einer Knorpelschicht überzogen. Diese verhindert, dass die Knochen im Kniegelenk aufeinander reiben und wirken wie eine Pufferschicht. Sie verteilen den Druck gleichmäßig und lassen das Knie fast ohne Reibung gleiten. Mit zunehmendem Alter können sich diese Knorpelflächen allerdings immer stärker abnützen – die Arthrose schreitet voran. Doch auch Osteoporose, Überbelastungen, wie etwa durch Übergewicht oder Leistungssport, hohe körperliche Belastungen im Beruf, Bein-Fehlstellungen, Knieverletzungen bzw. Unfälle können bei der Abnutzung des Kniegelenks wichtige Faktoren sein.

Volkskrankheit: Kniearthrose
„Die Kniearthrose ist mittlerweile sehr weit verbreitet und die Zahl der Neuerkrankungen nimmt stetig zu. Der starke Knorpelabrieb ist bis heute leider nicht rückgängig zu machen. Einmal kaputt, regenerieren sich die Knorpelzellen nicht. Zur Linderung der Arthrose-Symptome bieten sich allerdings eine Vielzahl sportlicher Betätigungsmöglichkeiten. Für viele Patientinnen und Patienten überraschend: Sport kann eine Ursache abnützungsbedingter Beschwerden sein, sich aber gleichzeitig auch positiv auf Kniearthrose auswirken – sowohl in der Prävention als auch in der Behandlung“, informiert Prim. Dr. Vinzenz Auersperg, Leiter der Abteilung für Orthopädie und orthopädische Chirurgie am LKH Steyr, der sich gemeinsam mit seinen Fachärzten und Fachärztinnen verstärkt diesem Thema widmet.

Sport: Ja, aber möglichst gelenkschonend
Wird der Knorpel im Knie nicht durch regelmäßige Bewegung oder Sport „geschmiert“, so wird dieser unelastisch. Der spröde Knorpel lässt die Arthrose schneller voranschreiten und die Knieschmerzen verschlimmern sich. „Der Patient bzw. die Patientin bewegt sich daraufhin noch weniger – ein Teufelskreis, der am Ende in Übergewicht, heftigen Knieschmerzen oder gar einem künstlichen Kniegelenk enden kann“, warnt Orthopäde OA Dr. Robert Groß davor, Bewegung zu vernachlässigen.

Umso wichtiger ist es daher, schon möglichst früh Gegenmaßnahmen einzuleiten sind sich die Experten einig: „Die Beinmuskulatur zu trainieren, Übergewicht sowie berufliche und sportliche Überbelastungen zu vermeiden, physiotherapeutische Maßnahmen in Anspruch zu nehmen oder eine Knorpelzelltherapie zu starten.“

Die Top Sportarten bei Kniegelenksarthrose
Wenig überraschend, bieten sich – aufgrund des Wasserauftriebs und der damit reduzierten Gelenksbelastung – das Kraul- und Rückenschwimmen besonders an. Das Brustschwimmen kann mitunter bei Arthrosepatienten/-innen problematisch sein, weil beispielsweise beim Froschbeinschlag der innere und äußere Meniskus im Knie mehr strapaziert wird. Auch Trainingseinheiten auf dem Fahrrad oder dem Ergometer – bei möglichst kleiner Übersetzung, geringem Widerstand und hoher Trittgeschwindigkeit – stellen eine gute Trainingsmöglichkeit dar.

Der Cross-Trainer gilt – zum Aufbau der Muskelkraft – als das Ausdauergerät schlechthin, da anstatt unangenehmer Stoßbelastungen elliptische Bewegungen dominieren. Richtig ausgeführt bietet auch ein Rudergerät ein ideales Ganzkörpertraining. Nordic Walking und das Wandern in der Ebene – unter Zuhilfenahme von Wanderstöcken und gutem Schuhwerk – bieten sich vor allem jetzt im Frühling an. Hierbei gilt: weiche Wald- oder Wiesenböden bevorzugen und „hoch wandern und mit der Seilbahn zurück“ oder gleich dem flachen Gelände den Vorzug geben.

Bild: OA Dr. Robert Groß, Facharzt für Orthopädie am LKH Steyr. Fotos @ gespag

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