GESUNDHEIT. Nach dem Sommer kehren viele Österreicher/-innen mit neuem Elan zurück an ihre Arbeitsplätze. Im arbeitsintensiven Alltag ist es trotz vieler guter Vorsätze allerdings auch schnell wieder da – das Gefühl von Stress. Während sich die einen dadurch beflügeln lassen, sehen andere auf Dauer vor lauter Druck das Licht am Ende des Tunnels nicht mehr ...

Wer allerdings graue Flecken oder Bildverzerrungen im Gesichtsfeld wahrnimmt, könnte unter Umständen auch an einer schwellungsbedingten Netzhautablösung leiden – eine Erkrankung der Aderhaut, die unmittelbar mit negativem Stress in Verbindung gebracht wird.

Dass der menschliche Organismus auf permanente körperliche oder geistige Überforderung mit Krankheiten wie Burnout, Schlaganfall, Arteriosklerose oder Herzinfarkt reagieren kann, ist heute kein großes Geheimnis mehr. Weit weniger bekannt ist allerdings, dass sich andauernder Stress manchmal auch negativ auf das menschliche Auge auswirkt. „Retinopathia centralis serosa (kurz RCS) ist eine Erkrankung der Netzhaut, bei der Flüssigkeit aus der Aderhaut in die Netzhaut tritt und sie dadurch örtlich begrenzt abhebt“, erklärt Prim. Dr. Felix Buder, Leiter der Abteilung für Augenheilkunde und Optometrie am Landes-Krankenhaus Steyr.

Verursacht wird diese Netzhautablösung vermutlich häufig durch das vermehrt ausgeschüttete Hormon Cortisol, das der Körper zum Abbau von Stress produziert. „Der dauerhaft erhöhte Cortisolspiegel führt zu einer Zunahme der Blutmenge und einer Durchlässigkeit der Aderhautgefäße im Auge“, so der Experte, „die Aderhaut verdickt sich, bis die Schicht zwischen Netzhaut und Aderhaut der Flüssigkeit nicht mehr gewachsen ist.“

Die Folge – eine deutliche Sehverschlechterung Aufgrund des Risses treten häufig graue Flecken im Gesichtsfeld auf. Es kommt zu Bildverzerrungen, Weitsichtigkeit oder wellenartigen wahrgenommen Formen. Kontraste und Farben verändern sich.

Wie deutlich RCS von den Betroffenen wahrgenommen wird, ist abhängig von der Lage und der Ausdehnung des „Lecks“. „Liegt die Schwellung außerhalb der zentralen Netzhaut, kann es durchaus sein, dass die Patient/-innen nur kleine Lichtflecken oder ein Flimmern der Linien bei der Arbeit am PC wahrnehmen“, sagt Prim. Buder, warnt jedoch davor, schwellungsbedingte Netzhautablösungen zu verharmlosen, „zwar ist bei einer akuten Erkrankung nicht mit einem endgültigen Sehverlust zu rechnen, jedoch kommt es in etwa 20 Prozent der Fälle zu einem chronischen Verlauf. Dieser kann die Sehleistung massiv herabsetzen.“

 

Exakte Anamnese und Diagnose ist entscheidend

Heilbar ist Chorioretinopathia centralis serosa nicht. Kontinuierliche Überbelastung und dauerhafter negativer Stress sowie Cortisonmedikamente können immer wieder Auslöser für neue Attacken sein. „Entscheidend ist eine genaue Diagnose und eine adäquate Therapie“, so Prim. Buder, „wenn es zu dauerhaften Auffälligkeiten beim Betrachten weißer Flächen kommt, sich beim Blinzeln oder im Halbdunklen schillernde Formen bilden und ein einseitiges, dauerhaftes Gefühl der Blendung auftritt, so ist es ratsam ärztlichen Rat einzuholen.“ Mit Hilfe einer Augenhintergrundspiegelung und einer gefäßdarstellenden Fluoreszenzangiographie können durchlässige Netzhautgefäße nachgewiesen werden.

Ist eine schwellungsbedingte Ablösung der Netzhaut aufgetreten, verspricht eine photodynamische Therapie mit reduzierter Lichtdosis sehr gute Erfolge. Dabei wird ein Medikament über eine Infusion in den Blutkreislauf gebracht, die Substanz mit einer speziellen Laserbestrahlung in den Gefäßen der Netzhaut aktiviert und so die undichten Gefäße abgedichtet. Dies führt zu einer Rückbildung der Schwellung am Augenhintergrund.

Natürlich können auch andere Faktoren bei RCS eine Rolle spielen. Jedoch empfiehlt es sich – genau wie bei anfangs genannten Herzkreislauferkrankungen, die in Verbindung mit negativen Stress gebracht werden – im Alltag ein gesundes Bewusstsein für die persönlichen Leistungsgrenzen zu entwickeln und das individuelle Stresslevel im wahrsten Sinne im Auge zu behalten.

Bild: Dr. Felix Buder, Foto gespag