STEYR. Ein bösartiger Tumor wird entdeckt – „Krebs“. Kaum eine Diagnose wird als so bedrohlich erlebt. Für die Betroffenen und ihre Angehörigen zählt meist nur eines: wo erhalte ich die beste medizinische Behandlung?  ...

Das ist verständlich, denn der medizinische Fortschritt mit neuen erfolgreichen Therapien und Behandlungsansätzen erhöht nicht nur die Überlebenschancen, sondern schafft es zunehmend den Krebs zu kontrollieren und den Betroffenen so ein möglichst langes und beschwerdefreies Leben zu ermöglichen. Für die Patient/- innen und deren Angehörige ist es daher wichtig, über die onkologische Kompetenz im regionalen Spital Bescheid zu wissen. Das LKH Steyr ist Teil des trägerübergreifenden, interdisziplinären Tumorzentrums der gespag und des KH der Elisabethinen Linz. Die gelebte Praxis zeigt, dass durch diese Vernetzung die Patient/-innen von der aktuellsten Spitzenmedizin profitieren.

 

gespag und KH der Elisabethinen betreuen eine Vielzahl an Krebspatient/-innen in Oberösterreich

Jährlich wird bei rund 38.000 Menschen in Österreich und bei rund 6.300 Menschen in Oberösterreich, eine bösartige Tumorerkrankung diagnostiziert – Tendenz steigend. „Hinter diesen Statistiken stehen Menschen, die sich aufgrund dieser lebensbedrohlichen Diagnose meist in einem Ausnahmezustand befinden.

Durch die Vermittlung unserer medizinischen Kompetenz, die wir durch das Tumorzentrum bündeln und so auch regional garantieren können, möchten wir den Patientinnen und Patienten geben, was sie am meisten brauchen: Vertrauen“, sagt Dr.in Ingrid Federl, Mitglied des gespag Vorstandes.

Mit insgesamt neun Spitalsstandorten decken die beiden Allianzpartner gespag und KH der Elisabethinen Linz einen wesentlichen Teil der onkologischen Behandlung in Oberösterreich ab. Die Patient/-innen werden im Tumorzentrum von einem multiprofessionellen Expert/-innenTeam, das sich aus Mitarbeiter/-innen von regionalen Spitälern und Schwerpunktspitälern zusammensetzt, medizinisch betreut und entsprechend begleitet. Ziel ist es, das umfassende Know-how beider Spitalsträger zu bündeln und so in punkto Behandlungs-, Evaluierungs- und Forschungsstandards ein Optimum für die Patient/-innen zu schaffen.

 

Onkologische Versorgung in OÖ: Wohnortnahe Spitzenmedizin

Krebs – an kaum einer anderen Krankheit wird so viel geforscht wie an dieser. Die medizinischen Behandlungsmöglichkeiten entwickeln sich rasant weiter. Heutzutage wird die Krebstherapie jedem/jeder Patient/-in individuell angepasst. Dafür braucht es mitunter hochgradiges Spezialwissen und besondere technische Geräte zur Diagnose und Behandlung.

Die Hauptaufgabe des Tumorzentrums liegt ohne Frage in der Qualitätssicherung der onkologischen Versorgung. Durch die gemeinsame Erarbeitung und Umsetzung der Behandlungsrichtlinien, in die das Expert/-innenwissen aus allen Bereichen und Berufsgruppen einfließen, ist eine bestmögliche Versorgung sichergestellt. Die systematische Erhebung der Ergebnisqualität in allen Spitälern der Allianzpartner bestätigt den eingeschlagenen Weg. „Gerade in der Onkologie ist es wichtig, auf eine gute Datenbasis zurückgreifen zu können. Dies ermöglicht eine sehr individuelle Behandlung unter qualitätsgesicherten Bedingungen“, ist die Medizinerin überzeugt.

 

Überlebenschancen der Patient/-innen steigen. Für viele heißt es: Leben mit Krebs – als chronische Erkrankung

Jeder zweite Mensch erkrankt im Laufe seines Lebens einmal an Krebs. „Wir kennen zwar die Zahl der Neuerkrankungen, jedoch ist nicht erfasst, wie viele Menschen derzeit mit Krebs leben“, sagt Prim. Dr. Ernst Rechberger, einer der beiden Ärztlichen Leiter des Tumorzentrums sowie Ärztlicher Direktor und Leiter der Abteilung für Innere Medizin am LKH Schärding. „Unser Ziel ist es, die Krebserkrankung zu heilen oder zu kontrollieren. Oft heißt dies: Leben mit Krebs, als chronische Erkrankung, wobei die Lebensqualität der Patientinnen und Patienten immer im Vordergrund steht.“

Die 5-Jahres-Überlebensrate (Diagnosestellung) lag laut Statistik Austria im Jahr 1998 bei 55 Prozent. 2008 waren es bereits 60,9 Prozent und heute sind wir etwa 66% in den westlichen Ländern.

Je nach Art der Tumorerkrankung werden die Behandlungskonzepte immer gezielter. Das Einbinden von Fachwissen verschiedener Abteilungen ist in diesem Kontext ein maßgeblicher Erfolgsfaktor. Um den Informationsfluss zu erleichtern, haben sich in der Onkologie sogenannte Tumorboards durchgesetzt.

„Im Tumorzentrum – dem übergeordneten Setting – werden eben nicht nur eingebrachte Fälle besprochen, sondern liegt ein Hauptaugenmerk auch in der Erarbeitung und Implementierung von Therapieleitlinien für die verschiedenen Tumorerkrankungen“, informiert der Onkologe.

Derzeit werden folgende Leitlinien bereits in jedem Spital des Tumorzentrums angewandt und ermöglichen so überall eine garantiert gleichartige, qualitätsgesicherte, Behandlung nach neuesten Erkenntnissen:

 

  • Darmkrebs
  • Magenkrebs
  • Brustkrebs
  • Lungenkrebs
  • Bauchspeicheldrüsenkrebs
  • Neuroendokrine Tumore
  • Hodenkrebs
  • Lymphknotenkrebs
  • Nierenkrebs

 

Neben der Empfehlung zur optimalen Diagnostik und Therapie, umfassen die Leitlinien klare Vorgaben der abgestuften Versorgung. Dazu zählt beispielsweise die Notwendigkeit eines Transfers an das nächstgelegene Spital, wenn die Leistung im wohnortnahen Spital nicht angeboten wird.

Aber auch den Rücktransfer, wenn eine Leistung (wie zum Beispiel die Verabreichung einer Chemotherapie) mit gleicher Qualität wohnortnah durchgeführt werden kann.

 

Weiterer Vorteil des Tumorzentrums: Erleichterter Zugang zu Studien

Die erarbeiteten und ständig aktualisierten Leitlinien stehen online zur Verfügung. Dort ist für den behandelnden Onkologen auch dokumentiert, ob an einem anderen Spital des Tumorzentrums eine Studie läuft und ob für den/die Patient/-in die Möglichkeit zur Teilnahme besteht. Der dadurch erleichterte Zugang zu derartigen Studien bietet einen zentralen Vorteil. Die Möglichkeit überhaupt an einer Studie teilnehmen zu können, setzt eine gewisse Zahl an Probanden voraus. Quantitative Vorgaben, die bis dato in regionalen Spitälern nur schwer zu erreichen waren und daher primär im Zentralraum erzielt wurden. Rechberger dazu: „Viele bringen fälschlicherweise immer noch den Begriff ‚Studien’ mit ‚Experiment’ in Verbindung. Patientinnen und Patienten haben vielmehr dadurch Zugang zu innovativen Therapiekonzepten, die Aussicht haben, erfolgreicher zu sein als jene, die bisher üblich waren. Das kann letztendlich ein maßgeblicher Überlebensvorteil sein.“

 

Interdisziplinäre Tumorambulanz am LKH Steyr: Zentrale Anlaufstelle für Krebspatient/-innen

Um Betroffenen von Anfang an, eine bestmögliche Unterstützung zu ermöglichen, wurde am LKH Steyr die sogenannte Interdisziplinäre Tumorambulanz eingerichtet. Dabei handelt es sich um EINE gemeinsame zentrale Anlaufstelle, die die Expertise aller Fachbereiche vereint und den Patient/-innen im Kampf gegen die Krankheit – von der Diagnose bis zur Therapie – zur Seite steht.

Die interdisziplinäre Tumorambulanz garantiert den Betroffenen beispielsweise den schnellstmöglichen Zugang zu einer raschen und sicheren Diagnose. „Als äußerst hilfreich und vorteilhaft für die Patient/-innen erweist sich in diesem Zusammenhang zudem die enge Kooperation mit den beiden niedergelassenen Radiologen in Steyr. Sämtliche im niedergelassenen Bereich angefertigten Bilder und Befunde stehen uns sofort nach Erstellung zur Verfügung. Dadurch werden mögliche Doppelgleisigkeiten vermieden und kostbare Zeit gespart“, betont der Leiter der Inneren Medizin II, Prim. Dr. Johannes Andel. Onkologische Schwerpunkte

Das LKH Steyr genießt im Bereich der Onkologie weit über die Landesgrenzen hinaus einen hervorragenden Ruf – allen voran in punkto chirurgischer Eingriffe bei Bauchspeichel- und Lebertumoren sowie bei Dickdarm- und MastdarmOperationen. Als eines der wenigen Krankenhäuser Österreichs bietet das LKH Steyr beispielsweise eine Schließmuskelerhaltende Mastdarmresektion an. Dank dieser kann ein künstlicher Darmausgang vermieden werden. Der überwiegende Teil der Dickdarm- und MastdarmOperationen werden laparoskopisch durchgeführt – auch hier liegt Steyr österreichweit gesehen ganz vorne.

 

Individueller und ganzheitlicher Behandlungsplan

Neben der hohen medizinischen Expertise, legt das onkologische Behandlungsteam im LKH Steyr auf einen individuellen und ganzheitlichen Behandlungsplan Wert: „Ausgehend von den persönlichen Bedürfnissen unserer Patient/-innen erstellen wir gemeinsam mit ihnen einen maßgeschneiderten Behandlungsplan. Dabei berücksichtigen wir neben den modernen Therapieverfahren auch alle notwendigen Begleitmaßnahnahmen, wie beispielsweise Physiotherapie, Ernährungstherapie und psychologische Unterstützung“, betont Andel.

 

LKH Steyr ist führendes onkologisches Studienzentrum

Aufgrund der hohen Expertise und Fallzahlen ist das LKH Steyr bereits seit vielen Jahren eines der führenden onkologischen Studienzentren Österreichs mit einem eigenen Studiensekretariat. Aktuell laufen im LKH Steyr derzeit 33 Studien – im Rahmen derer insgesamt über 300 Krebspatient/-innen betreut werden.

Das Team der Tumorambulanz am LKH Steyr setzt auf eine individuelle und ganzheitliche Behandlung. Foto: gespag