STEYR. Fußballfreunde wissen schon, was sie im Urlaub im Strandkorb lesen werden: Am Mittwoch, 10. Juli, wird das Buch „Zebizeba - 100 Jahre SK Vorwärts Steyr" präsentiert - ab dem Zeitpunkt ist es im Buchhandel erhältlich ...

Die Präsentation des druckfrischen Werks aus dem Ennsthaler-Verlag erfolgt im Rahmen des Schloss Eggenberg-Fanstammtisches im Museum Arbeitswelt. Der designierte künstlerische Leiter des Museums, Stephan Rosinger, ist Herausgeber des Buches, Robert Hofer, Christian Kreil, Harald Minoth und Michael Stockinger sind die Autoren der 432 Seiten starken Chronik. Das Layout haben die Steyrer Grafiker Michael Atteneder und Katharina Höfler gestaltet.

Das Buch zeichnet die wechselhafte Chronologie des Vereins nach - Von der Gründung im April 1919 im Casino, über Glanzzeiten in den 50-er und 90-er Jahren, über das vorläufige Ende des Vereins im Jahr 2000 bis zum sensationellen Comeback des Vereins auf die österreichische Fußballbühne im Lauf der letzten 20 Jahre.

Alle Spiele und alle Spieler aus 100 Jahren Vereinsgeschichte
Der Chronologie mit unzähligen Fotos und Dokumenten folgt eine Auflistung aller Pflichtspiele der 100 Jahre, aller Tabellen und eine alphabetische Liste sämtlicher in den 100 Jahren zum Einsatz gekommenen Spieler. Darunter finden sich österreichische legenden wie Hans Eigenstiller und Rudi Strittich, Peter Stöger, Daniel Madlener, der Weltstar Oleg Blochin – und mit Gerald Hackl sogar der amtierende Bürgermeister der Stadt Steyr, der in den 70er-Jahren zu einigen Einsätzen kam. Herausragenden Spielern und Spielen sind in dem Buch Extraseiten gewidmet, zum Beispiel: Das 3:2 gegen Rapid Wien im Jahr 1949, bei dem sich 12.000 Zuschauer auf dem Vorwärtsplatz drängten, das legendäre 3:1 im Cup gegen Austria Wien im August 1978 oder der sensationelle 5:0 Heimsieg gegen den FC Tirol im Jahr 1994.

Wie wechselhaft die Geschichte des Vereins ist, zeigen die Seiten 270 bis 310 des Buches. Im Juni 1995 siegt der SK Vorwärts im UI-Cup bei Eintracht Frankfurt sensationell mit 2:1. Sechs Jahre nach dem Triumph im Waldstadion freuen sich die Fans über ein 2:2 auf einem etwas holprigen Fußballplatz im oberen Ennstal - in Kleinreifling. Es ist das erste Spiel nach dem Crash im Jahr 2000. Der Wiederbeginn in der 2. Klasse Ost ist der Beginn eines österreichischen Fußballmärchens. Der Verein arbeitet sich Liga für Liga hoch, die Fans sorgen für Rekordbesuche und Bundesligastimmung in den untersten Ligen. Im Jahr 2005 feiern knapp 5.000 Zuschauer ein meisterschaftsentscheidendes 2:0 gegen den ASK St. Valentin – in der 1. Klasse Ost.  Zwei Jahre später weinen 7.000 Zuschauer beim 1:1 gegen Weißkirchen im entscheidenden Heimspiel der Landesliga Ost über den vergebenen Meistertitel. Bei vielem Fußballfans in Österreich genießt der Verein gerade aus diesem Grund Kultstatus.  

Ein Arbeiterverein, der die Geschichte der Stadt widerspiegelt
Der SK Vorwärts ist ein klassischer Arbeiterverein seiner Zeit. Name und Farbe des spiegeln im Jahr 1919 Klassenbewusstsein und Selbstbewusstsein der Arbeiterbewegung wider. Sport ist Politik zu jener Zeit und der SK Vorwärts spätestens seit den 20-Jahren in deren Strudel. Es ist aus damaliger Sicht selbstverständlich, dass der Verein im Jahr 1926 aus dem bürgerlichen Ligaverband ausscheidet und sich dem „roten“ VAFÖ (Freie Vereinigung der Amateur-Fußballvereine Österreichs) anschließt. Die bürgerlichen Medien in Stadt und Land erwähnen ab diesem Zeitpunkt nicht einmal mehr die Spielergebnisse des SK Vorwärts.

Im Februar 1934 ist Steyr eine der Städte, in denen Schutzbund und Heimwehr aufeinander schießen. Ein Nebenschauplatz ist der SK Vorwärts: Das Vermögen des Vereins wurde beschlagnahmt, die damalige Spielstätte auf der Lauberleite wurde dem Stadtrivalen Amateure Steyr zugesprochen, der bereits vier Jahre lang in der „bürgerlichen“ Liga spielte.

Die Geschichte neben der Geschichte
Der Chronik des SK Vorwärts wird in den Marginalien des Buches eine Chronik der Stadt Steyr gegenübergestellt. So erfährt der Leser beim Durchblätternd des Buches, dass die Steyrer – im Gegensatz zu Gesamtösterreich – bei der Volksabstimmung zum Atomkraftwerk Zwentendorf im Jahr 1978 mit einer satten Mehrheit für dessen Inbetriebnahme stimmten – und dass Fußball mitunter Nebensache ist. Im Jahr 1932 feierte der SK Vorwärts beachtliche Erfolge, die Stadt und deren Einwohner lagen zu der Zeit am Boden. Im Jänner 1932 erschien eine Reportage des Wiener Journalisten Hans Habe mit dem Namen „Die Hölle von Steyr“. Die Schilderungen des Elends der hungernden und frierenden Bevölkerung in der bankrotten Stadt gingen um die Welt und sorgten für eine internationale Hilfswelle für die verarmte Bevölkerung Steyrs.

Und dass bereits im Jahr 1967 Pläne für einen Lift auf den Stadtteil Tabor präsentiert wurden, mag heute manchen zum Schmunzeln bringen. Mit den Arbeiten dafür wurde nämlich soeben – und damit gut ein halbes Jahrhundert später begonnen.

Zebizeba? Woher kommt der Buchtitel
Seit zumindest 40 Jahren wird der Fangesang „Zebizeba“ im Stadion an der Volksstraße angestimmt. Der Wechselgesang wird vermutlich auf keinem anderen Fußballplatz der Welt zu hören. Woher der eigentümliche Chant stammt, das können selbst die Autoren, die zum Teil seit den 70-er Jahren Fans des Vereins sind, nicht beantworten. Das „Zebizeba“ ist zu einem launigen und sympathischen Alleinstellungsmerkmal der Fußballfreunde in der alten Eisenstadt Steyr geworden: „Wer auf ‚Zebizebizebizebizeba’ mit ‚Hu, ha palawatsch’ antwortet, der kann über sich selbst lachen. Wer auf ein ‚Pfitschigo’ mit ‚Go, go, go’ antwortet, der kann kein Böser sein“, schreiben die Autoren des Buches in ihrem Vorwort.

Buchpräsentation
Mittwoch, 10 Juli 2019
19 Uhr 19
Museum Arbeitswelt Steyr
Im Rahmen des Schloss Eggenberg Fanstammtisches

Fotos © Sebastian Schörkl
v.l.n.r. Harald Minoth, Christian Kreil, Michael Stockinger, Stephan Rosinger, Katharina Höfler, Michael Atteneder und Robert Hofer

v.l.n.r. (hinten) Katharina Höfler, Michael Stockinger, Christian Kreil, Harald Minoth; (vorne) Michael Atteneder, Stephan Rosinger, Robert Hofer