STEYR. Die Stadt Steyr hat vor kurzem drei Rechnungsbücher aus dem 17. und 18. Jahrhundert bekommen. Die Dokumente stammen von der Adelsfamilie Lamberg. Bis jetzt hat sie der Berliner Peter Tiedt verwahrt. Tiedt ist der Enkel von Johann Fürst, dem letzten Kastellan (Aufsichtsbeamten) im Schloss Lamberg ...

Die Lambergs waren von 1614 bis 1938 die Burggrafen von Steyr. Um 1750 war die Herrschaft Steyr mit 32.000 Hektar die größte Grundherrschaft in Oberösterreich und auch der größte Steuerzahler. In den sogenannten Rentamts-Rechnungsbüchern aus den Jahren 1668, 1681 und 1787 hat der Rentmeister oder Finanzverwalter die Einnahmen und Ausgaben des Schlosses verzeichnet. Man kann zum Beispiel aus den Eintragungen auf die Abgabenlast der Untertanen schließen. Es gab damals auch eine Verbrauchssteuer ähnlich der heutigen Mehrwertsteuer. Geld in die Kassen der Lambergs kam auch durch Verpfändung der Waldnutzung. Eine besondere Steuer mussten Menschen ohne Bürgerrecht zahlen.

Aus den Rechnungsbüchern kann man auch Ausgaben für Baumaßnahmen am Schloss ablesen, man erfährt, wie viel Lohn Handwerker und Küchenmägde im Dienst der Schlossherren bekommen haben und wie viel Almosen die Grafen gegeben haben. Ein Beispiel: Für eine Floßfahrt nach Wien im 17. Jahrhundert zahlte Graf Maximilian von Lamberg an den Flößer Leopold Maurowitsch 111 Gulden. Sechs Luxus-Flöße waren notwendig, um den Grafen samt Hofstaat in die Hauptstadt zu transportieren. Zum Vergleich: Der Hofgärtner erhielt damals 40 Gulden Jahreslohn.

Unten: Ein Rechnungsbuch aus dem Jahr 1668, alle Dokumente sind in ausgezeichnetem Zustand. Foto: Magistrat Steyr/honorarfrei