GASTKOMMENTAR. Ich nenne die Lokale nicht, ich will niemanden anschwärzen, ich nenne die Lokale einfach "Pizzeria Aerosol". Zwei Mal habe ich mir in den vergangenen Tage abends in Steyr eine Pizza geholt in zwei Pizzerias. Zwei Mal habe ich meine Maske brav aufgesetzt vor dem Eintritt ins Lokal. Zwei Mal wurde ich vor den Kopf gestoßen vom Verhalten der Beschäftigten im Lokal ...

Zwei Mal wurden mir die Kartons überreicht von einer Kellnerin ohne Maske. Bei einer der beiden flatterte das Ding keck am rechten Ohrwaschel, bei der anderen war gar keines der unangenehmen Pandemie-Accessoirs zu sehen. In beiden Lokalen waren auch andere Leute zugegen. Ein Mann, der vermutlich Chef des Ladens war in einem Fall, saß an einem Tisch und schupfte die Bestellungen und dirigierte maskenlos das maskenlose Personal mit lauter Stimme, als wollte er den Aerosolen ein wenig Auslauf verschaffen.

Im zweiten Fall saßen zwei Männer zu Tisch, hinten neben der Küche und philosophierten bei einem Bier, während ich auf meine "Quattro Staggioni" wartete, über die ach so unmenschlichen Auflagen der „Corona-Diktatur“. Keiner der beiden Wannabe-Philosophen trug einen der „lästigen Fetzen“ vor dem Gesicht. Währenddessen holte ein Auslieferer ein paar Pizzakartons, er war vermutlich in Eile und gelangte auf Tuchfühlung mit mir an der Theke und ich darf es verraten: Er schnaufte maskenlos durch die Nacht, fast konnte ich seinen Atem spüren.

Zwischendurch: Eine Maske ist nichts angenehmes. Ich bewundere Kranken- und Altenpfleger und Regalbetreuer und Kassierer bei Billa und Spar, die sich damit acht Stunden lang abmühen. So lange wir gesund sind, haben wir das Gefühl, dass die Maske eine Zumutung ist. Das Gefühl, dass die Maske eine Zumutung ist, schwindet vermutlich dann, wen wir intubiert werden, weil der Krankheitsverlauf doch nicht so harmlos ist. Aber wer am Schlauch hängt, hat halt weniger Gelegenheit zu posten, dass das mit Abstand und Maske, ganz individuell betrachtet und aus konkretem Anlass, keine ganz so schlechte Idee gewesen wäre. Die Maske, das weiß auch ich, ist kein Allheilmittel dagegen, jemanden anzustecken oder sich vor Ansteckungen zu schützen. Sie ist aber ein Puzzlestück für die Anstrengungen, eine Pandemie ein wenig im Zaum zu halten. Ob sie zu 90 Prozent schützt oder zu 10 Prozent, das weiß ich nicht, und es ist mir einerlei. Ich würde sie auch tragen, wenn sie nur 5 Prozent Schutz davor bietet, andere anzustecken. Das Ding ist lästig, aber zumutbar. Für mich, für Pizzawirte, Kassiere, Pizza-Auslieferer. Vorausgesetzt: Man ist sich bewusst, dass man ein wenig Verantwortung für seine Mitmenschen trägt.

Nebenbei: Wer sich wundert, warum es heuer im Winter keine Grippewelle gab. Hygiene, Abstand und Masken sind vermutlich eine gar nicht so dumme Idee, was virale Infekte betrifft. In Ostasien setzt sich seit jeher jeder, der einmal niest, eine Maske auf. Die machen das seit Ewigkeiten so, nicht erst seit der angeblich seit dem Vorjahr bestehenden „Corona-Diktatur“. Die tun das, weil sie niemanden anstecken wollen, und sei es nur mit einem Schnupfen. Von Kurz und Anschober haben die noch nie etwas gehört. Kurzum: Es spricht viel dafür, dass eine Maske Sinn macht.

Resümee: Ich muss damit leben, dass es Mitbürger gibt, die keinen Respekt zeigen wollen - vor einer Krankheit oder vor mir, das sei dahingestellt. Es gibt Mitbürger, die ganz offensichtlich kein Zeichen für Solidarität und für den Schutz Schwacher setzen wollen - egal ob aus Ahnungslosigkeit oder aus Wurstigkeit. Sofern diese Mitmenschen Pizzawirte sind, werden sie damit leben müssen, dass ich mir diese Arroganz, Verantwortungslosigkeit und Dummheit merke. Sollte mir anderswo noch einmal etwas ähnliches passieren: Ich mache im Lokal noch vor der Theke kehrt und richte dem Wirt aus, dass er sich meine Bestellung in die Haare schmieren kann.

Ein Gastkommentar von Christian Kreil.

Christian Kreil befasst sich seit Jahren mit Verschwörungsplaudereien und Pseudomedizin. In seinem eben erschienen Buch „Fakemedizin“ thematisiert er unter anderem die Verharmlosung von Covid-19, Impfgegner und haltlose Heilversprechen von Ärzten und Scharlatanen.

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