STEYR. Mit Bestürzung wurden die Pläne, das MAN-Werk zu schließen, von der Steyrer Stadtpolitik vernommen. Bürgermeister Gerald Hackl betonte schon in seiner Rede bei der Kundgebung vor 5000 Menschen, die am 15. Oktober auf dem Steyrer Stadtplatz gegen die Werksschließung protestierten, ...

dass die Aufkündigung des Standortsicherungsvertrages ein nie dagewesener Tabubruch sei. Nun gilt es, gemeinsam über die Parteigrenzen hinweg für den Standort Steyr zu kämpfen.

Der wirtschaftliche Stellenwert des MAN-Werks in Steyr geht weit über die rund 2300 Arbeitsplätze am Standort hinaus. Mit den zahlreichen Zulieferbetrieben sowie der Bedeutung als Auftraggeber für viele andere Unternehmen wären bei einer Standortschließung mindestens 6000 Arbeitsplätze direkt betroffen oder akut gefährdet und tausende Familien in ihrer Existenz gefährdet. Schon im September richteten die Bürgermeister der Stadt Steyr, der Gemeinden aus dem Bezirk Steyr-Land und aus der Region Steyr–Kirchdorf sowie der an Steyr angrenzenden niederösterreichischen Kommunen einen Appell an den MAN-Vorstand und VW-Aufsichtsrat.

Stadt Steyr will aktiven Beitrag leisten
Damit der Standort Steyr mit seinen qualifizierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern erhalten bleibt, ist die Stadt Steyr auch bereit, einen aktiven Beitrag zu leisten. Das beschließt der Gemeinderat der Stadt am 19. November auf Antrag von Bürgermeister Gerald Hackl in einer einstimmig angenommenen Resolution an den MAN-Vorstand und den VW-Aufsichtsrat. „Das MAN-Werk war immer profitabel, hier leisten täglich mehr als 2000 Fachleute einen Spitzenjob. Eine Schließung ist für uns undenkbar, und wir sind gerne bereit, uns in eine Lösung einzubringen“, betont Bürgermeister Gerald Hackl.

Verhandlungen derzeit unterbrochen
Die Verhandlungen zwischen dem Betriebsrat und der Konzernspitze sind derzeit unterbrochen, da die Fronten festgefahren sind. „Ich appelliere im Namen aller im Gemeinderat vertretenen Fraktionen an den MAN-Vorstand und den VW-Aufsichtsrat, sich ihrer sozialen Verantwortung bewusst zu sein und von einer Schließung des Werks in Steyr abzusehen“, bekräftigt Bürgermeister Gerald Hackl die Forderung, die Steyrer Fabrik nicht zuzusperren.

Zitate aus der Debatte im Gemeinderat:

Bürgermeister Gerald Hackl (SPÖ): „Die eiskalte Vorgangsweise mit ‚friss Vogel oder stirb‘ ist für einen Konzern wie VW unwürdig. Ich gehe davon aus, dass es Bewegung geben wird. Wenn MAN, wie auch andere Unternehmen, das hohe Niveau der Fachkräfte in der Region anerkennt, wird es sicher eine Lösung geben, mit der alle Beteiligten leben können.“

Vizebürgermeister Dr. Helmut Zöttl: „Das Land OÖ, die Stadt Steyr, viele Kommunen und Feuerwehren fahren MAN. Der MAN-Vorstand sollte sich überlegen, ob man nicht auch weiter diesen Weg der Regionalität geht.“

Dr. Markus Spöck (ÖVP – Bürgerforum): „Es ist eine echte Sauerei, was hier passiert. Der Konzern Traton macht Gewinne, plant gleichzeitig einen Kahlschlag und will 9500 Mitarbeiter auf die Straße stellen Ich erwarte mir ernsthafte Gespräche von Traton und auch von Volkswagen.“

Stadtrat Mag. Reinhard Kaufmann (Grüne): „Es zeigt sich, wie wichtig hier die soziale Verantwortung in der Wirtschaft ist. Diese Verantwortung müssen wir auch einfordern.“ „Das MAN-Werk in Steyr ist keine Werkbank. Hier wird seit mehr als 100 Jahren Qualität erzeugt und Identifikation für die Region und die Beschäftigten geschafften.“

Pit Freisais (NEOS): „Wie MAN angekündigt hat sich zurückzuziehen, hat das ganz Österreich betroffen und niemanden kalt gelassen. Ich hoffe, dass es im Interesse der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sowie ihrer Familien zu einem Umdenken kommt.“