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Oö-Landes-Feuerwehrverband zieht Bilanz über das Einsatzjahr 2017

LINZ/OÖ. Nachrichten über Wetterextreme wie Eisregen, Unwetter, Sturm mit Orkanstärken, Hitze mit Dürreperioden gehören mittlerweile beinahe zum Alltag. Eine Herausforderung auch für die 916 oberösterreichischen Feuerwehren...

mit ihren über 91.500 vorwiegend freiwilligen Feuerwehrleuten.

Einige Highlights aus der Jahresbilanz

63.205 Einsätze fordern 640.086 Einsatzstunden

Eine erneute Steigerung (ein Plus von über 25.000 Stunden), die durchaus nachdenklich macht, wie man hinkünftig mit neuen Anforderungen an die Feuerwehren bzw. der einen oder anderen öffentlichen Annehmlichkeit künftig umgeht.

Die neuerlichen Steigerungen gründen vor allem auf den gestiegenen Einsätzen auf Oberösterreichs Straßen, ob nach Verkehrsunfällen oder beim Freimachen von Verkehrswegen im Rahmen von Extremwetterlagen. Einen weiteren entscheidenden Grund bilden die durch die besondere Hitzeentwicklung im Sommer 2017 vermehrt notwendigen Brand-, Wasserversorgungs- und Insekteneinsätze.

Tor zur Sicherheit: Landeswarnzentrale alarmierte mehr als 12.400 Mal

12.477 Alarmierungen führte im Vorjahr die Landeswarnzentrale durch. Ebenfalls wurden im abgelaufenen Jahr 2.440 Unwetteralarme ausgelöst. Herausfordernde Einsatztage waren der 20. Juli (273 Alarmierungen), der 18. und 19. August (561 Alarmierungen), sowie der 29. Oktober 2017 (750 Alarmierungen) mit dem Sturm „Herwart“.

Besonders beachtenswert ist auch der Anstieg der Brandeinsätze.

2017 löste alleine die Landeswarnzentrale 4.257 Brandalarmierungen, das sind um fast 5,4 % mehr als im Vorjahr, aus. Darunter waren 95 Groß- und 265 Mittelbrände mit zum Teil sehr spektakulärem Erscheinungsbild, mit ungewöhnlich hohem Gefahrenpotenzial für die Einsatzkräfte und vor allem einem hohen Erfolgsgrad mit zahlreichen geretteten Menschen, Tieren und der Verhinderung weiteren Schadens. Die Brandeinsätze liegen damit bei rund 27 % aller Einsätze.

Ihr stetiges Ansteigen ist durchaus nicht überraschend und ein Rückgang wird sich kaum ergeben, da die Zahl der „potenziellen Brandobjekte“ jährlich rasant ansteigt. Ob Einfamilienhäuser oder Wohnblöcke, es wird rasant gebaut, der Wohnungsbedarf ist groß.

Trotz ständiger Verbesserung im Rahmen des vorbeugenden Brandschutzes nehmen eben die Möglichkeiten der Brandentstehung zu, von neuen technischen Gefahren (Akkus, Powerpacks usw.) noch gar nicht gesprochen. Gleichzeitig aber entwickeln sich tragende Finanzierungsmodelle des Feuerwehrwesens nicht im Gleichklang mit.

 

Die Feuerschutzsteuer bleibt seit Jahren fast unverändert

Sie hängt ab vom Prämienaufkommen bei den Feuerversicherungen und das steigt trotz gewaltig zunehmender Versicherungsobjekte offenbar nicht. Konkurrenzkampf, aber vor allem das sinkende Risiko im Schadensfall, drücken die Prämien.

Schlussfolgerung: „Je mehr und effizienter die Feuerwehren arbeiten, umso geringer wird die Gegenleistung, nämlich die Finanzierungsbeteiligung für das Feuerwehrwesen. Das darf so nicht weitergehen. Hier bedarf es einer ständigen und zwar aufwandsgerechten Anpassung – und das nicht auf Kosten zweckgebundener Katastrophenfondsmittel“, sagt dazu der Landes-Feuerwehrkommandant.

Insgesamt fielen 2017

Knapp 6,47 Millionen ehrenamtliche Arbeitsstunden an. Eine Vorstellung von der Dimension dieses Wertes bietet eine Umrechnung in Personenarbeitsjahre – also die Nettoarbeitszeit im beruflichen Umfeld. 5.573 hauptberuflich Beschäftigte wären zu 100 Prozent ausgelastet.

„Insbesondere der Aufwand für die Eigenmittelbeschaffung ist mit 14 Prozent am Gesamtarbeitsvolumen sehr hoch und verdient spezielle Anerkennung und besonderen Umgang, wird er doch allzu oft als selbstverständlich angesehen“, sagt Landesfeuerwehrkommandant Kronsteiner.

Mitglieder das starke Rückgrat der Feuerwehr: 91.559 Menschen arbeiten für Menschen

Eine jahrelang stabile Mitgliederentwicklung wird garantiert durch intensive Jugendarbeit und viel innere Bindung. Mehr als 91.000 Freiwillige stellen sich in Oberösterreich hochengagiert und ehrenamtlich in den Dienst der Allgemeinheit.

Jugendarbeit sichert Entwicklung

Den Feuerwehren gelingt es seit Jahren, junge Menschen mit sogar leicht steigender Tendenz zu gewinnen – und das trotz schwächerer Geburtenjahrgänge (1.977 neue Junge, ein Anteil von 14,9 Prozent am Geburtenjahrgang, erneut eine Steigerung).

Frauen spielen im Rahmen der Feuerwehr eine große Rolle. In der formalen Mitgliederfunktion werden sie allerdings erst in den letzten Jahren, dafür aber mit außergewöhnlichen Steigerungsraten sicht- und spürbar.
6.114 Frauen stehen aktiv im Feuerwehrdienst. Das sind 6,7 Prozent, im Bereich der Jugend geht der Prozentsatz bereits bis auf knapp 32 Prozent hinauf. Regional ist das durchaus unterschiedlich.

Insgesamt 640 Feuerwehrfrauen haben mit Ende 2017 auch Funktionen in der Feuerwehrorganisation übernommen, darunter befinden sich zwei Kommandantinnen, zwei stellvertretende Kommandantinnen und weitere 119 weibliche Kommandomitglieder – Tendenz steigend.

Daraus ergeben sich neue Möglichkeiten und Chancen, sowohl im Bereich der Einsatzverfügbarkeit, wie auch im Rahmen der inneren Organisation. Es beschäftigt uns allerdings die Frage nach der im Vergleich zu den Männern wesentlich höheren Ausfallsrate nach der Feuerwehrjugend. Hier sind wir dabei, genauer hinzuschauen und die Gründe dafür zu erheben und zu beseitigen.

Rahmenbedinungen für die Aufgaben der Zukunft

Das System Feuerwehr funktioniert. Die augenscheinlichen Rahmenbedingungen, wie Feuerwehrhäuser und Ausrüstung, werden kontinuierlich optimiert. Leider gelingt es nur schwer, das Bewusstsein der Menschen, wie Feuerwehr funktioniert, zu implementieren. Schwer gelingt es, klar zu machen, dass das alles nicht selbstverständlich und kein Selbstläufer ist. Kaum gelingt es, zu überzeugen, dass der Bogen des Verlangens nach Eigenmittelbeschaffung nicht überspannt werden darf. Es gibt Grenzen, die nicht überschritten werden dürfen.

Feuerwehren sind die einzige Einrichtung des Landes, die staatliche Grundaufgaben in einem ehrenamtlichen und freiwilligen System abarbeitet und sowohl zum Investitionsaufwand, oft aber auch zum laufenden betrieblichen Aufwand durch Veranstaltungseinnahmen, Sammlungen usw. fast 20 Prozent beiträgt (so wurden beispielsweise 2017 insgesamt 25 Feuerwehrhausprojekte abgerechnet – der von Feuerwehren aufgebrachte Beitrag belief sich auf fast 2 Millionen Euro (rund 10 Prozent der Investitionssumme)).

Entlastung der Feuerwehren bei der Mittelbeistellung zur Finanzierung der notwendigen Fahrzeuge und Feuerwehrhäuser z.B. auf Bundesebene durch Entfall oder entscheidende Reduktion bzw. Rückvergütung der aktuell in voller Höhe anfallenden Mehrwertsteuer und Sicherstellung, dass dies den Feuerwehren tatsächlich zugutekommt und die Eigenmittelbeschaffungsrate reduziert.

Auf Landesebene ist darüber hinaus unbedingt darauf zu achten, notwendige Investitionen nicht an einen Pflichtbeitrag zu knüpfen, sondern damit zusätzliche Qualitäten, Entwicklungen bzw. zeitliche Entspannungen von Finanzierungsvorhaben zu ermöglichen.

Sicherstellung von Katastrophenfondsmitteln zur ausreichenden Beschaffung von entsprechenden Einsatzgeräten durch nachhaltige Sicherung einer den Aufwandsänderungen angepassten Dotierung des Katastrophenfonds. Begrüßenswerte Steuerreduktionen beim Einzelnen dürfen keinesfalls zur Reduktion von Ausstattungsmitteln für den Katastrophenfall führen.

Gleichzeitig sollte der Bundesgesetzgeber im Katastrophenfall bzw. dem Starkeinsatzfall nach Naturphänomenen die Ersatzbeschaffung im Einsatzfall zerstörter bzw. verlorener Gerätschaften (bezogen auf Großgeräte) generell anerkennen und die Abwicklung massiv erleichtern.

Unterstützung der Beschäftigung von Feuerwehrleuten und deren Verfügbarkeit durch Steuervorteile für Unternehmen, die ehrenamtliche Mitglieder der Feuerwehren beschäftigen. Erste parlamentarische Initiativen dazu scheint es erfreulicherweise bereits zu geben. Alle Bereiche des öffentlichen Dienstes müssen in diesem Punkt mit guten Beispiel vorangehen, wie etwa das Land Oberösterreich mit dem Ehrenamtsbonus bzw. den Regeln zur Freistellung für Einsatz & Ausbildung.

Sicherung der rechtlichen Rahmenbedingungen für den Einsatz und die Vorbereitung darauf durch Anpassung der Regeln zum Unfallversicherungsschutz. Die Lösung von wichtigen Abgrenzungsfragen stehen dabei ebenso zur Verbesserung an wie die Sicherung des Schutzes bei Arbeiten im Rahmen der Infrastrukturerhaltung, der Jugendarbeit in all ihren Ausprägungen und der Kameradschaftspflege, insbesondere aller Instrumente der Mitgliederbindung (wie etwa Ehrungen usw.).

Im Bereich der Gesundheitsvorsorge wurde gerade ein bedeutender Schritt erreicht; die kostenlose Hepatitis Impfung. Eine bundesweit einheitliche Erweiterung der kostenlosen Gesundenuntersuchung – etwa durch Anerkennung der Atemschutzuntersuchungen als gesundheitsfördernde Maßnahmen – sollte künftig die Anerkennung und Wertschätzung des Ehrenamts zusätzlich unterstützen.

Schließlich braucht es verstärkt die Bewusstseinsbildung bei den Menschen, wie man selbst Gefahren vermeiden, ihnen begegnen, sich auf sie vorbereiten kann und insbesondere wie die Feuerwehr funktioniert, was Ehrenamt bedeutet und welchen gesellschaftlichen Effekt solidarisches Handeln hat. Wie die Österreicherinnen und Österreicher darüber denken, bzw. sich auf Krisen und Katastrophen vorbereiten, darüber berichten zahlreiche Schlagzeilen.

„Augen zu und durch“ – wird wohl nicht reichen, wir müssen uns alle vorbereiten. Diese Themen müssen von Kind auf Inhalt der gesellschaftlichen und politischen Bildung sein.
Unsere Bildungsoffensive Gemeinsam.Sicher.Feuerwehr ist nicht nur im Land von allen Verantwortlichen zu unterstützen.

Auch an den Bund richtet sich die Forderung, die Inhalte des von Oberösterreich ausgegangenen Projekts Gemeinsam.Sicher.Feuerwehr verpflichtend in die Lehr- und Ausbildungsplangestaltung der Kindergärten und Schulen aufzunehmen und es nachhaltig verwaltungstechnisch und infrastrukturell zu unterstützen und damit zu sichern.

Feuerwehr formt und bildet Menschen. Daran knüpft sich letztlich die Forderung nach einer verstärkten Anerkennung der Feuerwehrausbildung auch für den zivilen Bereich Qualifikation.

Quelle und Fotos: LFK OÖ/Hermann Kollinger

 

 

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