STEYR. Nachdem wir in den Folgen 1 bis 4 die Brustwirbelsäule bearbeitet haben, beschäftigen wir uns in den kommenden vier Folgen des Ratgebers für Bewegungsgesundheit mit der Funktionsweise des Hüftgelenks. Das Hüftgelenk ist ein sogenanntes Kugelgelenk, ...

erlaubt Bewegungen in alle Richtungen und bildet mit dem Becken und der Lendenwirbelsäule die sogenannte LBH Region (= Lenden-Becken-Hüft-Region). Es ist das zentrale Gelenk für alle Aktivitäten aufrecht im Raum oder in der freien Natur und wesentlich verantwortlich für eine gute Aufrichtung und Haltung sowie ein natürliches und ökonomisches Gangbild.

Leider bedingt unser Lebensstil - allen voran das viel zu häufige Sitzen - in vielen Fällen eine Dysfunktion der Hüftgelenke. Vor allem die Dehnfähigkeit der Hüftbeugemuskulatur, der Gesäßmuskeln und die Verkürzung der hinteren Oberschenkelmuskulatur ist häufig herabgesetzt und die damit verbundenen Kompensationsmuster führen zur Fehlbelastung der benachbarten Körperabschnitte. Dies wird in der Lendenwirbelsäule oder in den Kniegelenken vor allem bei sportlicher Aktivität spürbar und hat auch bei Aktivitäten des täglichen Lebens wie Heben und Tragen fatale Auswirkungen. So sind Bandscheibenvorfälle in der Lendenwirbelsäule oder Kniebeschwerden ohne vorangegangene Verletzungsmechanismen häufig die Konsequenz jahrelanger Ausweichbewegungen, die auf eine mangelhafte Elastizität der Hüftgelenke zurückzuführen sind. Gleichzeitig nützt sich auch der Gelenksknorpel der Hüften und der Kniegelenke vorzeitig ab.

Auch schlechte Gewohnheiten wie das dauerhafte Tragen der Geldbörse in der Gesäßhosentasche haben negative Auswirkungen. Durch Sitzen auf der Geldbörse erfährt das Becken eine Schiefstellung, was eine Ausweichbewegung der Lendenwirbeläule nach sich zieht. Gleichzeitg belastet der dauerhafte Druck die Leistenregion, das Hüftgelenk und die nervalen Strukturen unter der Gesäßmuskulatur. Schmerzen im Bereich der Kreuz-Darmbein-Gelenke, der Lendenwirbelsäule und Ischiasbeschwerden sind häufig daraus resultierende Krankheitsbilder.

Österreich liegt mit 36.000 Operationen zur Implantation künstlicher Knie- und Hüftgelenke pro Jahr im internationalen Spitzenfeld. Eine Zahl die durch regelmäßige Übungsroutine und Pflege der Beweglichkeit mit Sicherheit deutlich reduziert werden könnte.

Unser Übungsprogramm soll dazu einen Beitrag leisten und wird euch helfen, eure Hüftgesundheit zu erhalten oder zu verbessern. Unsere 3x3 Matrix - 3 Übungen für Faszien, Dehnung der Muskulatur und Funktionsbewegung - werden wir auch weiterhin beibehalten. Zeit- und Materialeinsatz bleiben dadurch überschaubar und ermöglichen euch mit wenig Aufwand wirksam mzu sein.

Wir starten wieder mit der Faszienarbeit zur Verbesserung der Gleitfähigkeit des Gewebes. Ihr braucht dazu wieder eine Faszienrolle, eine Übungsmatte und natürlich ein klein wenig Motivation zum Üben und durchhalten.

Kurz wieder die wichtigsten Kriterien zur Arbeit mit der Faszienrolle:

  • es ist immer unangenehm
  • es darf aber keinesfalls schmerzhaft sein.
  • ihr müsst während der gesamten Anwendung ruhig und tief atmen können und
  • um effektiv zu sein, solltet ihr so langsam wie möglich - ja nahezu in Zeitlupe - für 2-3 Minuten arbeiten.

Denkt immer daran ruhig und gleichmäßig ohne Leistungsgedanken zu arbeiten und verzweifelt nicht, auch wenn es am Anfang unangenehm ist. Es wird sicher besser.

Bei dauerhaft massiven Beschwerden oder akuten Schmerzzuständen raten wir dringend, den Arzt eures Vertrauens und in weiterer Folge professionelle Physiotherapie in Anspruch zu nehmen. Eine allfällig notwendige medizinische Behandlung kann durch unseren Bewegungsratgeber keinesfalls ersetzt werden.