STEYR. In der letzten Folge sind wir auf die Wichtigkeit einer guten Beweglichkeit der Hüftgelenke eingegangen und ihr seid hoffentlich bereits (Physio)aktiv. Dann habt ihr mit Sicherheit bereits "schmerzhafte" Erfahrung mit der Außenseite eurer Oberschenkel gemacht ;-) ...

Die Verhärtung der langen Sehne des äußeren Hüftgelenksspanners ist eine logische Folge zu häuigen Sitzens, der sich praktisch niemand entziehen kann. Diese von der Hüfte bis zum Kniegelenk reichende Struktur ist für die Funktionsweise beider Gelenke von großer Wichtigkeit und hat auch wesentliche Bedeutung für das lymphatische System. "Schnappende" Hüften oder auch das sogenannte "Runners Knee" stehen im Zusammenhang mit der Funktionsweise dieses Gewebes, Auslöser ist aber zumeist ein deutlicher Elastizitätsverlust der Hüftbeuger und -strecker und die dadurch veränderten Arbeits- und Belastungswinkel in der Lenden-Becken-Hüft-Region mit ihren Veränderungen der gesamten Körperstatik.

Sollte die Arbeit mit der Faszienrolle insbesondere bei dieser Übung, aber auch bei anderen Faszientechniken zu unangenehm sein, könnt ihr alternativ auch einen sogenannten Massage-Stick verwenden (siehe Abb. unten). Speziell für die Faszienarbeit an den Beinen ist dies eine sanftere, wenn gleich auch etwas weniger wirksame Variante. Online und teilweise im Fachhandel könnt ihr einen Massagestab ab ca. 40 Euro erwerben.

Das Lösen der Verklebungen und Verfilzungen im Fasziensystem und die damit verbundene gesteigerte Durchblutung und Verstoffwechselung des Bindegewebes erleichtert und verbessert die Wirksamkeit der Dehnungsübungen unserer aktuellen Folge. Im Focus stehen die Hüftbeuge- und Gesäßmuskulatur, sowie die Muskeln der Oberschenkelrückseite - auch Hamstrings genannt. Diesen - besonders durch Bewegungsmangel in Mitleidenschaft gezogenen - Weichteile solltet ihr große Aufmerksamkeit widmen. Die Dehnung dieser Muskelgruppen sollte tägliche Routine sein, ein paar Minuten die viele Probleme in der Zukunft verhindern kann. Erinnert euch: Defizite der Beweglichkeit im Hüftgelenk produzieren häufig Beschwerden in Knien und Lendenwirbelsäule, und künstlicher Gelenksersatz ist keine erstrebenswerte Zukunftsperspektive. Schließlich sind wir keine Maschine, die man einfach so reparieren kann. Auch wenn das chirurgische Ersatzteillager bei vielen diesen Eindruck entstehen lässt.

Mit dem nötigen Maß an Eigenverantwortung und Aufmerksamkeit für euer Bewegungssystem könnt ihr mit regelmäßigem Üben Operationen verhindern, oder wenigstens hinauszögern und die Wahrscheinlichkeit für das Entstehen von Schmerzzuständen am Bewegungsapparat erheblich reduzieren. Faszienarbeit, Stretching und Funktionsgymnastik sind dabei der Schüssel zum Erfolg.

Für die 3 Dehntechniken in unserem Video gelten wieder folgende Übungskriterien:

  1. Die Dehnung sollte leicht spürbar sein
  2. Ihr sollt dabei ruhig und tief in den Bauch Atmen können. Schmerz heisst STOP!
  3. Das Dehngefühl sollte nach 30 - 60 Sekunden spürbar nachlassen, muss aber nicht zur Gänze verschwinden Lässt die Dehnung nicht nach ist sie zu intensiv und ihr stresst den Körper!
  4. Hat das Dehngefühl nachgelassen könnt ihr noch einen 2. Durchgang nach den oben genannten Regeln durchführen
  5. Sollte eine Bewegungsseite schwieriger sein, übt auf dieser Seite wenigstens einen Durchgang mehr
  6. Übt an einem ruhigen Ort wo ihr euch ganz auf euch und eure Empfindungen und Wahrnehmungen einlassen könnt

Und nicht vergessen: Bei dauerhaft massiven Beschwerden oder akuten Schmerzzuständen am Bewegungsapparat raten wir dringend, den Arzt eures Vertrauens und in weiterer Folge Physiotherapie in Anspruch zu nehmen. Eine allfällig notwendige medizinische Behandlung kann durch unseren Übungsvideos keinesfalls ersetzt werden.