• BEZIRK: STEYR-LAND, KIRCHDORF
Faszinierendes Fenster in die Vergangenheit: Die Postkarte "Gruss aus Petenbach" ist ungefähr 145 Jahre alt. Foto © GERHARD HÜTMEYER

STEYR-LAND. Der Pfarrkirchner Fotograf Gerhard Hütmeyer hat der e-steyr Redaktion zwei außergewöhnliche historische Ansichtskarten zur Verfügung gestellt: eine rund 100 Jahre alte Karte aus Maria Neustift bei „Groß-Raming" sowie eine noch deutlich ältere Korrespondenzkarte aus „Petenbach", dem heutigen Pettenbach im Bezirk Kirchdorf.

„Solche Karten sind kleine Fenster in eine längst vergangene Zeit – und jede von ihnen erzählt mehrere Geschichten auf einmal", so Hütmeyer.

Maria Neustift bei „Groß-Raming": Blick in die Zwischenkriegszeit
Die erste Karte zeigt Maria Neustift bei „Groß-Raming" und dürfte – so Hütmeyers Einschätzung – zwischen 1920 und 1933 entstanden sein, stammt damit aus der Zwischenkriegszeit. „Viele ländliche Orte in Oberösterreich waren damals stark bäuerlich geprägt – genau dieses Bild vermittelt auch die Ansicht von Maria Neustift", erklärt der Fotograf.

Verschickt wurde die Karte von der Trafik Ferdinand Merkinger, adressiert an die Familie Wieser, vulgo „Falkhub", in Schiedlberg. Der Poststempel ist nur zur Hälfte lesbar, ausgerechnet die Jahreszahl fehlt. „Das genaue Datum bleibt daher vorerst ein kleines Rätsel", so Hütmeyer.

„Gruss aus Petenbach": Rarität aus der Zeit um 1899
Noch weiter in die Vergangenheit führt die zweite Karte: ein „Gruss aus Petenbach", nach Hütmeyers Recherchen etwa um 1899 geschrieben und damit rund 127 Jahre alt. Die Karte wurde auf der Rückseite mit einem zusätzlichen Poststempel aus Sierning mit 2/4/99 gekennzeichnet, was darauf schließen lässt, dass die Karte im Jahr 1899 verschickt wurde. Herausgegeben wurde die Karte vom Verlag Luwy aus Kirchdorf, gedruckt wurde sie in der Druckerei Louis Glaser in Leipzig. Glaser hatte sich auf die Herstellung von Ansichtskarten spezialisiert und existierte in dieser Form von 1874 bis 1883. "Wie auf der Vorderseite ersichtlich, wurde die Gemeinde Pettenbach nur mit einem „t“ geschrieben, auf der Rückseite zeigt ein Teil des Poststempels jedoch den gleichen Gemeindenamen wieder, nur diesmal mit zwei „t“. Demnach dürfte es sich bei dieser Karte um eine fehlerhafte Schreib- bzw. Druckweise handeln“ vermutet Hütmeyer.

Adressiert war diese frühe Korrespondenzkarte an einen Herrn Wieser, vulgo „Falkhub", in Sierning. Die Briefmarke wurde im Laufe der Zeit abgelöst, dadurch fehlt heute der Großteil des Poststempels – und damit auch hier die Möglichkeit einer exakten Datumsbestimmung.

Die Spur führt zur Familie Wieser vulgo „Falkhub"
Auffällig ist die wiederkehrende Adresse: Sowohl die jüngere Karte aus Maria Neustift (an die Familie Wieser vulgo „Falkhub" in Schiedlberg) als auch die ältere Karte aus Pettenbach (an Herrn Wieser vulgo „Falkhub" in Sierning) tragen denselben Hofnamen.

„Der Name ‚Falkhub' zieht sich über Jahrzehnte und Gemeindegrenzen hinweg durch die Postgeschichte", sagt Hütmeyer. „Offenbar handelt es sich um eine Familie oder einen Hof, der in mehreren Orten der Region Spuren hinterlassen hat."

Unten: Die Postkarte zeigt Neustift bei "Groß-Raming" und stammt aus der Zwischenkriegszeit. Foto © GERHARD HÜTMEYER

 

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