• BEZIRK: STEYR
Sabine Scholl. Foto © Uta Tochermann.

STEYR. In ihrem neuen, autofiktionalen Roman Die zweite Haut kehrt Sabine Scholl literarisch in ihre Herkunftsregion zurück. Die Autorin, geboren 1959, erzählt nicht nur ihre persönliche Geschichte, sondern auch die einer sozialen Klasse und Generation. „Auf dem Land wird nicht von Klasse gesprochen. Sondern nur von Rot und Schwarz.“ Am 29. Mai liest sie um 19.30 Uhr im Museum Arbeitswelt daraus – moderiert von Susanne Pollinger.

Im Zentrum steht die vielschichtige Beziehung zur Mutter – geprägt von Nähe, Sprachlosigkeit und unausgesprochenen Erwartungen. Der Vater, Eisenbahner, errichtet ein eigenes Haus, das zum „Gehäuse für Mutters Unglück“ wird. Kommunikation findet kaum statt, jenseits von Kleidung und Essen; kulturelle Bedürfnisse und Sehnsüchte verlagern sich in Rituale zwischen Radio, Bergen und Natur.

Wie bereits in ihrem früheren Werk Wir sind die Früchte des Zorns, in dem Textilien als metaphorische Verbindungen zwischen Frauengenerationen fungieren, spielen auch in Die zweite Haut Kleidungsstücke eine zentrale Rolle: als Speicher von Erinnerungen, gesellschaftlichen Zuschreibungen und persönlichen Brüchen. Daraus entsteht die Erzählung eines Lebens zwischen Armut, Ausgrenzung und Scham – und zugleich ein eindringlicher Versuch der Selbstermächtigung: „Die Version meiner Mutter, die ich zeichne, ist meine. Ich entziffere Spuren, die ich lesen will. Denn die, die schreibt, bin ich.“ Ein vielschichtiges Buch über Herkunft, Identität und Emanzipation.

WANN: Freitag, 29. Mai 2026, 19.30 Uhr
WO: Museum Arbeitswelt, Wehrgrabengasse 7, 4400 Steyr
EINTRITT: VVK € 15,- (Online oder zu den Öffnungszeiten des Museums / AK € 18,-

 

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