STEYR. Stadtrat Reinhard Kaufmann und Bäcker Rainer Fröhlich haben gemeinsam die Idee entwickelt, ein historisches Gebäck wieder aufleben zu lassen. Die Wahl fiel auf ein altes Traunviertler Gebäckstück mit vier Enden aus Wachauer Teig, bestreut mit Anis, „Paarsemmel“ oder auch „Stiefelknecht“ genannt ...

Anis ist wegen seines Duftes und Geschmacks ein beliebtes Gewürz und auch Zutat für diverse Spirituosen, außerdem Heilpflanze des Jahres 2014 und im Einsatz bei Verdauungsbeschwerden. Manche erinnern sich noch an Stiefelknechte aus der ehem. Bäckerei Breitensteiner (Grünmarkt).

Wie dieses Gebäck entstanden ist, erzählt eine Geschichte von einem Bäcker und seinem befreundeten Schuster. Der Schuster machte ihm wunderbar passende Stiefel für seine Ausflüge in die Auen der Enns und der Steyr, wo er die Gewürzkräuter für seine Brote fand. Die Schwierigkeit beim Ausziehen der Stiefel brachten den Bäcker auf eine Idee, und er kreierte ein Gebäck, dessen Form dem Schuster als Muster für ein Werkzeug zur Unterstützung beim Ausziehen der Stiefel dienen sollte: den Stiefelknecht. Weil der Schuster den Geschmack von Anis liebte, würzte der Bäcker sein Muster mit diesem Gewürz.

Eine andere Geschichte handelt von der Suche des Burggrafen Ottokar nach einem Brotlieferanten für den Hof. Er rief einen Wettbewerb unter den ansässigen Bäckern aus. Das neue Gebäck sollte vier Enden haben und mit Anis bestreut sein, da Anis nicht nur wohlschmeckend und wohlriechend sondern auch noch verdauungsfördernd sei. Hierauf besannen sich die Steyrer Bäcker und besprachen sich in einer Zusammenkunft. Ein befreundeter Schuster hörte die Diskussionen der Bäcker und zeigte ihnen einen damals gebräuchlichen Stiefelknecht. Nach diesem Muster formten sie gemeinsam ein Gebäck, das sie dann auch Stiefelknecht nannten. Dem Grafen gefiel es. Fortan lieferte jeder Bäcker jeweils für eine Woche das köstliche Gebäck.

Am Samstag, 18. September 2021, laden Kaufmann und Fröhlich zur Verkostung ein. Kunden der Bäckerei Fröhlich am Stadtplatz bekommen zu ihrem Einkauf einen ofenfrischen Stiefelknecht (solange der Vorrat reicht). Bei entsprechender Resonanz könnte dieses Gebäck wieder öfter in den Brotkörben liegen. „Mich würde es freuen!“ gibt Stadtrat Kaufmann nach einer Probe schon eine erste gute Bewertung ab.