Oben von links: Archie Ryan (EF Education Easypost), Isaac del Toro (UAE), Rafal Majka (UAE). Foto © EXPA Pictures.

Was für ein Finale der 74. Tour of Austria in Vorarlberg: Über 10.000 Menschen in Feldkirch und weit über 20.000 entlang der fünften und letzten Etappe bejubelten Jungstar Isaac del Toro, den ersten mexikanischen Gesamtsieger der Tour of Austria. Mit einer Glanzleistung holte sich Bob Jungels den Etappensieg rund um Feldkirch, Patrick Konrad wurde als Fünfter bester Österreicher. Und Etappensieger Felix Großschartner, der drei Tage im roten Führungstrikot fuhr, beendete die Tour auf Rang 10.

STEYR / VORARLBERG. Die 74. Tour of Austria endete heute zum ersten Mal in Feldkirch in Vorarlberg. Schon vor dem Start herrschte eine Gänehautstimmung in der Innenstadt des mittelalterlichen Kleinods. Die Abschlussetappe stand dabei unter dem Motto "Feldkirch einhundert. Zusammen wachsen". Grund der Feierlichkeiten ist die Vereinigung der Ortsteile Tisis, Tosters, Altenstadt, Levis, Nofels und Gisingen mit der Innenstadt. In der nach Dornbirn zweitgrößten Stadt Vorarlbergs war die Tour of Austria Teil des Jubiläums mit der Abschlussetappe, die über 144,1 Kilometer und noch einmal schwere 3.388 Höhenmeter führte. Nach zwei neutralisieren Runden ging es nach 15 Kilometern zur ersten Bergwertung in Rankweil, die sich Ex-Weltmeister Rui Costa, gestern der aktivste Fahrer, schnappte.

Vinokurov sichert sich Bergwertung am Furkajoch
Dann ging es Richtung Furkajoch mit einer Bergwertung der höchsten Kategorie. Der auch bei Motorradfahrern beliebte Pass stand zum ersten Mal im Tourplan und hat eine Länge von 20,4 Kilometern mit 6,1 Prozent Steigung. Vier Spitzenfahrer mit Ex-Rundfahrtssieger Riccardo Zoidl (Hrinwkow Advarics), Bob Jungels, Luca Vergallito und Sean Quinn setzten sich rasch über eine Minute aufs Feld ab. Doch dahinter pirschten sich drei Profis an, darunter der in der Bergwertung Führende Nicolya Vinokurov und sein ärgster Gegenspieler Emanuel Zangerle vom Team Vorarlberg. Aber sie schafften nicht den Anschluss zum Spitzenquartett, wo sich Zoidl die HC-Bergwertung sicherte. Da Vinokurov, Sohn von Olympiasieger Alexander Vinokurov, vor Zangerle übers Furkajoch fuhr, sicherte er sich vorzeitig das Mautner Markhof-Bergtrikot. Danach ging es gleich zur nächsten Bergwertung nach Faschina, während das Hauptfeld 90 Kilometer vor dem Ziel drei Minuten Rückstand hatte.

Bob Jungels setzt sich im Feldkirchner Hexenkessel ab
Vor dem Anstieg zur letzten Bergwertung des Tages, dem 5,7 Kilometer langen Dünserberg kurz vor der ersten Zieldurchfahrt in Feldkirch, lag das Führungsquartett mittlerweile über dreieinhalb Minuten vor dem Hauptfeld, das die Verfolger um Zangerle bereits geschluckt hatte. Auch Ricci Zoidl und Sean Quinn bekamen Probleme, den Anschluss an Jungels - Sieger bei Lüttich-Bastogne-Lüttich 2018 und Vergallito - 2023 Gesamtsieger der OÖ Rundfahrt - zu halten. Nach der ersten Zieldurchfahrt in Feldkirch mit tausenden frenetischen Fans ging es in die 45 Kilometer lange Schlussrunde mit zackigem Profil. Die Rennsituation: Jungels konnte sich von Vergallito absetzen, rund 30 Sekunden dahinter Zoidl, das ca. 30-köpfige Hauptfeld hatte etwas mehr als zwei Minuten Rückstand. Tour de France-Etappensieger Bob Jungels fuhr ein fulminantes Rennen und baute seinen Vorsprung kontinuierlich aus, während Zoidl und später auch Vergallito vom Peloton geschluckt wurden. Bei der 20km-Marke nach Bludesch lag Jungels von INEOS-Grenadiers bereits über drei Minuten vor dem Hauptfeld.

Jungels bricht die UAE-Serie
Es wäre das erste Mal in der 74-jährigen Geschichte der Tour of Austria/Österreich Rundfahrt gewesen, dass eine Mannschaft alle Etappen gewinnt. Das Team UAE hatte bisher alle vier Etappensiege zu Buche stehen. Dagegen stemmte sich heute der 32-jährige Weltklassefahrer Bob Jungels, der neben den luxemburgischen Zeitfahrmeisterschaften seinen zweiten Saisonsieg feierte. Nach rund 130 Kilometern an der Spitze siegte er mit 1:45 Minuten vor Ex-Weltmeister Ruis Costa, der den Sprint der Verfolgergruppe gewann. Bester Österreicher wurde heute Patrick Konrad von Lidl-Treck, der damit einen versöhnlichen Abschluss feierte. Sehr stark auch Philipp Hofbauer von WSA KTM Graz mit Rang 20. "Ich wusste, wenn ich den letzten Hügel überstehe, kann ich es schaffen. Mein letzter Sieg ist schon länger her und es wird immer schwieriger zu siegen. Das Niveau hier bei der Tour of Austria war enorm, deshalb freue ich mich noch mehr über den Triumph."

Isaac del Toro erster mexikanischer Gesamtsieger
Nach drei Etappensiegen feierte der 21-jährige Giro-Zweite Isaac del Toro von UAE Team Emirates - XRG einen eindrucksvollen Gesamtsieg. In Feldkirch wurde er von zahlreichen Landsleuten empfangen. "Die Stimmung war enorm. Die ganze Woche war verrückt und wir können stolz auf uns sein. Gestern am Kühtai war ich extrem am Limit, aber wir hatten immer alles unter Kontrolle. Gratulation an das ganze Team, alle haben perfekt gearbeitet. Natürlich hätten wir Felix gerne ganz oben gesehen, aber es lief ihm gestern nicht. Die Tour of Austria ist ein außergewöhnliches Rennen." 

Steyrer Continental Team hält rot-weiß-rote Fahne hoch
Hrinkow Advarics sorgte aus heimischer Sicht für die Bilder des Tages bei der Abschlussetappe der Tour of Austria. Riccardo Zoidl ergriff früh die Chance für die Fluchtgruppe, Giacomo Ballabio fuhr auf Rang sechs im Etappenklassement.

„Einen besseren Abschluss dieser stark besetzten Rundfahrt hätten wir nicht haben können. Zoidl zeigte, dass er immer noch einer der absolut besten Kletterer ist. Und mit Ballabio haben wir einen sprintstarken Fahrer mit der Verfolgergruppe auf die Ziellinie gebracht“, so Matej Mugerli, der sportliche Leiter von Hrinkow Advarics. Er sprach dabei den unermüdlichen Einsatz des Oberösterreichers an, der auch am letzten Tag nicht Müde wurde, um die Teamfarben perfekt zu präsentieren. Schon am ersten Anstieg des Tages begab sich Zoidl mit Luca Vergallito, Bob Jungels und Sean Quinn in die Fluchtgruppe. Er gewann dabei sogar die Bergwertung der HC-Kategorie am Furkajoch, einem über 20 Kilometer langen Anstieg mit 6,1% im Schnitt.

Erst auf den letzten 40 Kilometern musste Zoidl dem Tempo der drei WorldTour Fahrer Tribut zollen und verlor den Anschluss an die Spitze. INEOS Fahrer Jungels fuhr ab diesem Zeitpunkt dem Ziel solo entgegen und konnte auch vom überlegenen Team Emirates nicht mehr gestellt werden. Der Italiener Giacomo Ballabio biss sich hinter den World Tour Profis fest und sprintete auf Rang fünf aus der Gruppe, und zu Rang sechs im Tagesergebnis. Er wurde damit bester Conti-Fahrer des Tages. Im Teamklassement fuhr Hrinkow Advarics auf Rang sieben.

Team Hrinkow Advarics bei der Tour of Austria 2025
Etappe 5: Feldkirch-Feldkirch, 144.2KM, 3.388HM
Tagessieger: Bob Jungels (INEOS), LUX
Platzierungen Hrinkow Advarics: Ballabio 6, Ravasi 43, Zoidl 44

Unten: Giacomo Ballabio, Hrinkow Advarics. Foto © EXPA/Groder.



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