OÖ/STEYR. Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen ist im Jahr 2025 sowohl österreichweit als auch in Oberösterreich weiter gestiegen. Laut aktueller Hochrechnung des KSV1870 mussten in Österreich insgesamt 6.857 Unternehmen Insolvenz anmelden, ein Plus von 4,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr. In Oberösterreich fiel der Anstieg deutlich stärker aus: 849 Unternehmen meldeten Insolvenz an, was einem Zuwachs von 20,8 Prozent entspricht. Im Bundesländervergleich liegt Oberösterreich damit hinter Wien und Niederösterreich an dritter Stelle.
Trotz der gestiegenen Fallzahlen sind die finanziellen Auswirkungen insgesamt geringer ausgefallen. Die vorläufigen Passiva aller Insolvenzen sanken österreichweit um 55,8 Prozent auf rund 8,38 Milliarden Euro. Hauptgrund dafür ist die deutlich geringere Zahl sogenannter Mega-Pleiten mit Passiva von mehr als 200 Millionen Euro. Die größte Insolvenz des Jahres betraf die SIGNA Prime Capital Invest GmbH mit Verbindlichkeiten von 870 Millionen Euro. Auffällig ist zudem, dass rund die Hälfte der Großinsolvenzen einen Bezug zur Immobilien- und Bauwirtschaft aufweist.
Steyrer Traditionsbetrieb in Konkurs
Auch in der Stadt Steyr wurden im Jahr 2025 bedeutende Insolvenzen verzeichnet. Ein prominentes Beispiel ist die Gast Metallwaren GmbH & Co KG mit Sitz in Steyr-Gleink: Für das metallverarbeitende Unternehmen, das unter anderem holzbefeuerte Herde, Großkücheneinrichtungen sowie Grill- und Feuerstellen produzierte, wurde am 29. September 2025 ein Konkursverfahren am Landesgericht Steyr eröffnet. Von der Insolvenz sind rund 31 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie etwa 218 Gläubiger betroffen. Die Verbindlichkeiten belaufen sich auf rund 2,35 Millionen Euro. Eine Fortführung des Betriebs ist nicht geplant.
Branchenschwerpunkte Handel, Bau und Gastronomie
Auch in Oberösterreich zählen Handel, Bauwirtschaft sowie Gastronomie und Beherbergung zu den größten Insolvenztreibern. Der Handel verzeichnete österreichweit mit 1.208 Fällen die meisten Firmenpleiten, gefolgt von der Bauwirtschaft mit 1.089 Insolvenzen. In der Gastronomie und Beherbergung wurden 807 Fälle gezählt. Die anhaltend schwache Nachfrage, hohe Energie- und Personalkosten sowie steigende Finanzierungskosten setzen den Betrieben weiterhin stark zu.
Mehr nicht eröffnete Verfahren
Ein wachsendes Problem stellen auch Insolvenzen dar, die mangels Kostendeckung gar nicht erst eröffnet werden. Österreichweit stieg deren Zahl auf über 2.600 Fälle, was bereits 38 Prozent aller Firmenpleiten entspricht. Auch in Oberösterreich nahm die Zahl dieser Verfahren deutlich zu. Diese Betriebe sind finanziell so stark angeschlagen, dass sie nicht einmal die Kosten für ein Insolvenzverfahren aufbringen können. Für Gläubiger bedeutet das in der Regel einen Totalverlust.
Bonität unter Druck, Wirtschaft bleibt angespannt
Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen bleiben auch 2025 herausfordernd. Die seit Ende 2024 wieder gestiegene Inflation hat die Kaufkraft deutlich geschwächt. Zwei Drittel der befragten Unternehmen berichten laut KSV1870 von stagnierenden oder rückläufigen Umsätzen. Gleichzeitig verschlechtert sich die Bonität vieler Betriebe: Der Anteil der Unternehmen mit sehr guter Bonität ist in den vergangenen Jahren spürbar gesunken, während immer mehr Firmen in mittlere oder erhöhte Risikoklassen abrutschen.
Dennoch betont der KSV1870, dass die Mehrheit der Unternehmen weiterhin auf soliden Beinen steht. Eine verbesserte Eigenkapitalquote bei vielen Betrieben wirkt stabilisierend, reicht jedoch nicht aus, um die derzeitige Insolvenzdynamik nachhaltig zu bremsen.
Ausblick auf 2026 bleibt verhalten
Für das Jahr 2026 rechnet der KSV1870 sowohl österreichweit als auch in Oberösterreich mit einem ähnlichen Insolvenzniveau wie 2025 – vorausgesetzt, die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen verbessern sich nicht spürbar. Zwar erwarten Wirtschaftsforscher eine nachlassende Inflation und moderates Wachstum, ob diese Effekte rasch bei den Unternehmen ankommen, bleibt jedoch offen.
Zusätzliche Unsicherheiten könnten durch geplante gesetzliche Änderungen im Bereich der Betrugsbekämpfung entstehen. Der KSV1870 warnt davor, dass diese zu weniger Insolvenzanträgen und niedrigeren Quoten für Gläubiger führen könnten. Aus Sicht der Experten braucht es gezielte wirtschaftliche Impulse, weniger Bürokratie und frühzeitige Unterstützung für angeschlagene Betriebe, um den Negativtrend langfristig zu stoppen.