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Quälendes Tabuthema Stuhlinkontinenz: Einfache Abhilfe für mehr Lebensqualität

STEYR. Stuhlinkontinenz ist ebenso wie Harninkontinenz ein Tabuthema. Dennoch suchen mittlerweile weitaus mehr Menschen bei Harninkontinenz ärztliche Hilfe, als dies bei unfreiwilligem Verlust von ...

Darminhalt der Fall ist. Dabei kommt Stuhlinkontinenz häufig vor. Der unkontrollierte Abgang von Winden oder Stuhl und die damit verbundenen Gerüche und Geräusche sind für die Betroffenen äußerst peinlich und mit Scham und Ekel besetzt. Die Folge ist, dass diese ihre sozialen Kontakte einschränken. Dabei ist in den meisten Fällen relativ einfache Hilfe möglich.

„Es ist kaum zu glauben, wie viele Menschen mit dem Problem des ungewollten Stuhlverlustes zu kämpfen haben – abgesehen, von der Dunkelziffer derer, die sich aus Scham mit ihrem Problem niemandem anvertrauen. Bekannt ist, dass offiziell etwa fünf Prozent der berufstätigen Bevölkerung darunter leiden. Treffen kann es jeden, egal welchen Alters. Häufiger betroffen sind jedoch ältere Menschen und Frauen“, erklärt der Primar der Chirurgie am LKH Steyr und LKH Kirchdorf, Priv.-Doz. Dr. Christoph Ausch.

Wirksame, relativ einfache Therapie-Möglichkeiten

„Was viele nicht wissen: uns steht heutzutage eine breite Palette von konservativen und operativen Therapien zur Verfügung, mit denen die Inkontinenz sehr gut behandelt werden kann“, betont der Experte. Zu den konservativen Behandlungsansätzen zählen verhaltens- und stuhlregulierende Maßnahmen, wie die Veränderung der Ernährungsgewohnheiten, medikamentöse Eindickung des Stuhls oder das Ausnützen physiologischer Reflexe. „Häufig ist ein gezieltes Beckenbodentraining, kombiniert mit einer Elektrostimulation des Afterschließmuskels oder die Durchführung eines sogenannten ‚Biofeedbacktrainings’ hilfreich“, so Ausch. Sollte mit der konservativen Behandlung kein Auslangen gefunden werden, bestehen verschiedene Operationsmöglichkeiten, um etwaige Defekte des Schließmuskels zu beheben.

Besonders innovativ: Die sakrale Nervenstimulation

Eine neuere Methode stellt die „sakrale Nervenstimulation“ dar. Das Verfahren lehnt sich vom Grundgedanken an das Prinzip des Herzschrittmachers an und wurde zunächst von Urologinnen und Urologen zur Therapie der Harninkontinenz angewendet. Hierbei wird durch spezielle Elektroden – in Verbindung mit einem unter die Haut eingepflanzten Schrittmacheraggregat – die nervale Endstrecke zum Schließmuskel stimuliert und damit wieder eine ausreichende Muskelspannung erreicht. Für die Therapie muss ein kleiner Schrittmacher operativ in das Gesäß eingesetzt werden. Dieser Schrittmacher gibt schwache elektrische Impulse an die, im unteren Rückenbereich befindlichen, Sakralnerven ab. Die Sakralnerven steuern die Funktionen von Beckenboden, Blase und Darm. Eine wichtige Besonderheit der Therapie ist, dass die Patientin/der Patient sie testen kann, bevor sie/er sich dafür entscheidet. Die Operation wird nur dann in Betracht gezogen, wenn die Betroffenen auf den Test positiv ansprechen.

Die Ambulanzzeiten: Für eine erste genauere Abklärung empfiehlt es sich, die Proktologieambulanz am LKH Steyr aufzusuchen. Um Terminvereinbarung wird gebeten: Montag bis Freitag von 8.30 – 12.30 Uhr unter der Tel.: 05/055466-23301.


Priv.-Doz. Dr. Christoph Ausch, Primar der Abteilung Chirurgie am LKH Steyr und LKH Kirchdorf.    Foto: (c) gespag

 

 

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