STEYR. Babys und Müttern den Start ins Leben so reibungslos, liebevoll und angenehm wie möglich zu gestalten, war schon immer ein großes Anliegen des Geburtshilfe-Teams im Klinikum Steyr. Nach einem 18-monatigen Zertifizierungsprozess ...

für das internationale Siegel „Baby-friendly Hospital“ fördert man in Steyr jetzt auch ganz offiziell sowohl das Stillen als auch die frühe Mutter-Kind-Bindung.

„Ich freue mich wirklich sehr über die erfolgreiche Zertifizierung. Wir sind nun das vierte Krankenhaus in Oberösterreich, das diese Auszeichnung erhalten hat. Das Siegel ist für mich aber nur ein öffentlicher Ausdruck dessen, was wir im Haus schon seit Jahren praktizieren – nämlich liebevolle und bedürfnisorientierte Geburtshilfe und Nachsorge“, betont Dr. Michael Hubich, MBA, Ärztlicher Direktor und Projektgruppenleiter, und ergänzt: „Dass uns viele Familien ihr Vertrauen schenken, beweisen auch unsere ständig wachsenden Geburtenzahlen: 1080 Babys – 535 Buben und 545 Mädchen – erblickten im Vorjahr in unserem Klinikum das Licht der Welt.“

Perfekter Start ins Leben
Ins Leben gerufen wurde die Initiative „Baby-friendly Hospital“, im deutschsprachigen Raum auch als „Stillfreundliches Krankenhaus“ bekannt, von der Weltgesundheitsorganisation WHO und der UNICEF mit dem Ziel, Gesundheit für alle möglich zu machen.

„Das Stillen hilft, viele Krankheiten gar nicht erst entstehen zu lassen, somit ist es ein wichtiger Beitrag zur Gesundheit der Mutter und des Kindes bis ins Erwachsenenalter hinein. Außerdem wird die so wichtige frühe Mutter-Kind-Bindung durch das Stillen gefördert. Auch wenn wir Mütter seit langem beim frühen Stillbeginn unterstützen, hat der Zertifizierungsprozess diese Bemühungen nun gebündelt und planbarer gemacht. Klare und vor allem einheitliche Abläufe steigern hier die Qualität noch“, zeigt sich auch Prim. Univ.-Prof. DDr. Hermann Enzelsberger, Leiter der Abteilung für Frauenheilkunde und Geburtshilfe, von dem Siegel überzeugt, das offiziell am 14. November 2019 in Bad Gleichenberg übergeben wird.

Internationaler Zehn-Punkte-Plan
Im Zentrum der „Baby-friendly Hospital“- Zertifizierung steht ein Zehn-Punkte-Plan für erfolgreiches Stillen, der vor der Geburt beginnt: „Ein wichtiges Kriterium für das erfolgreiche Stillen ist eine positive Einstellung dazu schon in der Schwangerschaft. Darum informieren wir werdende Mütter schon sehr bald über die Vorteile des Stillens, räumen mit Mythen auf und nehmen Ängste. Ist das Baby dann da, sorgt das Team für eine entspannte Atmosphäre und dafür, dass Mutter und Kind genügend Zeit für Hautkontakt, das sogenannte Bonding, haben. Oft gelingt das erste Stillen ganz intuitiv, aber natürlich helfen und unterstützen die Hebammen beim ersten Anlegen. Gerade nach einer geburtshilflich besonders herausfordernden Situation dürfen das Bonding und das Stillen nicht zu kurz kommen“, beschreibt Stillbeauftragte DGKPin Maria Großauer.

Breite Zustimmung im Haus
Neben diesen offensichtlichen stillfreundlichen Maßnahmen achtet man im Klinikum Steyr nun auch darauf, dass die Neugeborenen keine Schnuller oder sonstigen Sauger bekommen und dass Nahrung sowie Flüssigkeit nur in Form von Muttermilch aufgenommen werden, außer es ist medizinisch indiziert. „Auf den ersten Blick scheinen das keine bedeutenden Veränderungen zu sein, im manchmal hektischen Stationsalltag ist es aber eine Herausforderung, die Mütter ausreichend zu informieren und zu unterstützen, ihnen Mut zuzusprechen, damit sie nicht zu einer im ersten Moment scheinbar einfachen Lösung wie einem Fläschchen mit Ersatzmilch oder Schnuller greifen. Dass wir diese Maßnahmen so umfassend durchführen können, liegt auch an der breiten Zustimmung der Kollegialen Führung zu diesem Projekt“, sagt die Stillexpertin.

Große Hürden auf dem Weg zum „Baby-friendly Hospital“ musste das Team nicht meistern, weil die positive Grundeinstellung für diese natürliche und liebevolle Begleitung der Babys und ihrer Mütter ohnehin auf der Station mitschwingt.

Viel Energie steckte man aber in die wirklich umfassende Schulung aller Kolleginnen und Kollegen, auch fachübergreifend, wie Pflegedirektorin DGKPin Walpurga Auinger berichtet: „Alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die mit Neugeborenen arbeiten, absolvierten Fortbildungen mit dem Ziel, wirklich einheitliche Informationen auf dem neuesten Stand der Forschung an die Mütter weitergeben zu können. Außerdem haben wir gemeinsam überlegt, was es noch braucht, um die Anforderungen für die Erlangung des Zertifikats zu stemmen, und da wurde rasch klar, dass wir einfach mehr Ressourcen zur Verfügung stellen müssen, um Mütter und Kinder rund um die Uhr zu unterstützen. Im Nachtdienst ist daher nun eine Kollegin mehr im Einsatz.“

Hohe Stillrate erhalten
Mindestens 75 Prozent aller Mütter sollen künftig das Klinikum ausschließlich stillend verlassen und vor allem in dem Wissen, dass es Hilfe und Unterstützung gibt, sollten Probleme auftreten. Besonders unterstützt werden auch jene Mütter, die sich ganz bewusst gegen das Stillen entscheiden oder die aufgrund einer medizinischen Indikation nicht stillen können.

Die ersten Reaktionen auf das stillfreundliche Krankenhaus sind durchwegs positiv: „Die Mütter berichten uns, dass sie von den Informationen in der Schwangerschaft über das Stillen profitiert haben, dass sie in den intensiven ersten Tagen nach der Geburt besonders unterstützt wurden und jetzt gestärkt und zuversichtlich das Klinikum verlassen können. Auch die Nachsorgeangebote werden gerne angenommen. Für uns heißt es jetzt, nicht die Hände in den Schoß legen, sondern weiter daran arbeiten, die hohe Stillrate zu erhalten und den Müttern und ihren Neugeborenen jene Bedingungen zu schaffen, die es ermöglichen, eine intensive, gute Bindung aufzubauen. In jedem Fall bin ich sehr stolz, dass wir diese Zertifizierung im Team so gut gemeistert haben und gemeinsam daran arbeiten, noch mehr Kindern und Müttern eine wunderschöne Stillbeziehung zu ermöglichen“, so Großauer.