STEYR. Seit COVID-19 erfreut sich das Fahrrad als Fortbewegungsmittel noch größerer Beliebtheit. Und mit den steigenden Temperaturen bevorzugen mehr Menschen den Drahtesel, weil sie nicht im heißen Auto sitzen, lange nach einem Parkplatz suchen ...

oder mit überfüllten öffentlichen Verkehrsmitteln in die Arbeit oder zum Einkaufen fahren wollen. Radfahren schont nicht nur die Nerven, sondern ist auch gesund. Allerdings greifen viel zu wenige Erwachsene zum schützenden Helm und riskieren dadurch Kopfverletzungen, schlägt der Leiter der Unfallchirurgie des Pyhrn-Eisenwurzen Klinikums Steyr Alarm.

Wer ohne Helm fährt, fährt gefährlich. Das gilt nicht nur für Kinder, für die seit 2011 eine gesetzliche Radhelmpflicht besteht, sondern auch für Jugendliche und Erwachsene. Für alle Radfahrerinnen und Radfahrer ab dem zwölften Lebensjahr liegt die Verwendung der schützenden Kopfbedeckung im eigenen Ermessen. Viele verzichten aus Bequemlichkeit oder aus Mangel an Wissen über mögliche Folgen auf den Helm und setzen ihre Gesundheit aufs Spiel. „Fahrradhelme schützen Kinder und Erwachsene gleichermaßen und sind für alle wichtig. Kopfverletzungen können bei Kindern schwerwiegende Folgen für die weitere Entwicklung haben“, warnt Prim. Dr. Wolfgang Riedelberger, Leiter der Abteilung für Unfallchirurgie am Pyhrn-Eisenwurzen Klinikum Steyr, eindringlich. „Allerdings bedeutet das nicht, dass die Köpfe von Erwachsenen weniger empfindlich sind als die von Kindern und sie ohne Helm radeln sollten.“ Zusätzlich haben Erwachsene eine Vorbildfunktion. Verzichten sie auf den Helm, leben sie diese gefährliche Angewohnheit auch dem Nachwuchs vor.

Jeder achte Radunfall endet mit einer Kopfverletzung
Ein Sturz auf dem Weg zur Arbeit, beim Einkaufsbummel oder bei der ausgedehnten Fahrradtour ist schnell passiert und betrifft am häufigsten die drei Körperregionen Kopf, Brustkorb und obere Extremitäten. Schädel-Hirn-Traumata zählen bei Fahrradunfällen daher zu den häufigsten Verletzungen. Jeder achte Radunfall hat eine Kopfverletzung zur Folge, die im Krankenhaus behandelt werden muss. „Ein gut sitzender Helm kann bei einem Sturz schwere Verletzungen verhindern oder zumindest die Folgen mildern“, sagt Primar Riedelberger. Laut einer deutschen Studie hätte ein Helm etwa 80 Prozent der Kopfverletzungen von Schwerverletzten verhindern können, bei Leichtverletzten sind es immer noch rund 20 Prozent.

Augen auf beim Helmkauf: Qualität, Passform und Sitz sind wesentlich
Beim Kauf eines Fahrradhelms entscheiden vor allem Passform und Sitz über einen optimalen Schutz. Eine fachkundige Beratung weiß, dass ein guter Helm der TÜV-Norm entspricht und waagerecht auf dem Kopf sitzt. Die Schale darf nicht zu groß und nicht zu klein sein, also weder wackeln noch drücken. Auch soll der Helm nicht zu tief über Nacken und Stirn gezogen werden, Stirn, Hinterkopf und Schläfen aber dennoch bedecken. In der richtigen Position wird der Kopfring festgezogen, bis der Helm fest sitzt, danach wird der Kinnriemen geschlossen. Zwischen Riemen und Kinn sollten dann noch rund eineinhalb Zentimeter Platz bleiben.

Wurde der passende Helm angeschafft und sitzt er bei jeder noch so kurzen Fahrt auf dem Kopf, schätzen Radlerinnen und Radler dazu das eigene Können, die Umgebung und die Strecke richtig ein, dann steht dem Fahrradvergnügen nichts im Wege – ganz im Gegenteil: „Regelmäßiges Radfahren senkt das Risiko auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen, trainiert die Lunge und reduziert Stress“, betont Prim. Riedelberger den positiven Effekt für die Gesundheit.