KIRCHDORF/STEYR. Plötzliche und starke Schmerzen in den Beinen können Anzeichen eines akuten arteriellen Gefäßverschlusses sein. Bei diesen Symptomen sollte sofort ein Krankenhaus aufgesucht werden, da schlimmstenfalls das Bein absterben kann ...

Das Land OÖ und die oberösterreichischen Spitäler rücken diese Notsituation in den Fokus und klären über ernst zu nehmende Anzeichen auf.

Bei Durchblutungsstörungen kann das Blut nicht mehr ungehindert durch die Gefäße fließen. In den Arterien entwickeln sie sich entweder chronisch (Schaufensterkrankheit) – meist infolge von Verkalkungen – oder treten akut auf. In Oberösterreich sind jährlich etwa 300 bis 500 Personen von akuten arteriellen Gefäßverschlüssen der unteren Extremität betroffen. Auch Venen können von einem Verschluss betroffen sein. Je nachdem, ob der Gefäßverschluss in den Arterien oder Venen auftritt, sind die Symptome unterschiedlich: Bei einer tiefen Beinvenenthrombose – der häufigsten Art der Venenthrombosen – schwillt der Unterschenkel an und ist warm. Liegt eine Verstopfung in einer Arterie vor, wird die betroffene Extremität kühl, blass und sehr schmerzhaft.

Die häufigste Ursache für einen akuten Gefäßverschluss ist ein Blutgerinnsel (Thrombus). Ist das Gefäß an der Stelle, wo sich das Gerinnsel gebildet hat, verschlossen, wird dies als Thrombose bezeichnet. In Arterien führt dies unbehandelt zum Absterben des nachfolgenden Gewebes. Wenn Teile des Blutgerinnsels in den tiefen Beinvenen abbrechen und durch die Blutbahn in die Lunge wandern, können sie ein akutes lebensbedrohliches Ereignis wie eine Lungenembolie verursachen.

Schnelle medizinische Hilfe nötig
Akute Durchblutungsstörungen sind extrem schmerzhaft und in der Regel ein absoluter Notfall: Wird die Durchblutung nicht binnen weniger Stunden wiederhergestellt, können die betroffenen Teile der Extremitäten absterben und sogar zur Amputation führen.

Prim. Priv.-Doz. Dr. Adam Dinnewitzer, Leiter der Abteilung für Chirurgie am Pyhrn- Eisenwurzen Klinikum Kirchdorf Steyr, betont: „Die Gefahr einer Thrombose wird von der Bevölkerung oftmals nicht richtig eingestuft. Es ist zudem wenig bekannt, dass ein Gefäßverschluss auch junge Menschen treffen kann. Ein zusätzliches Risiko stellt eine Corona-Erkrankung dar, da hier vermehrt Thrombosen auftreten können. Die Angst vor einer Ansteckung mit COVID-19 im Rahmen eines Krankenhausbesuchs darf nicht dazu führen, dass Symptome einer akuten Durchblutungsstörung nicht ernstgenommen werden.“ Die Sicherheits- und Hygiene-maßnahmen an den Spitälern sind umfassend, sodass die Gefahr einer Corona-Infektion in einer Klinik äußerst gering ist.

Richtige Anlaufstelle im Gesundheitssystem wählen
„Die Entwicklung von chronischen Durchblutungsstörungen ist meist langsam. Wenn die Beine ständig schmerzen, sollte die Ursache dafür unbedingt ärztlich abgeklärt werden, damit einem akuten Gefäßverschluss vorgebeugt werden kann“, so Prim. Priv.-Doz. Dr. Adam Dinnewitzer. Dafür ist zunächst die Hausärztin/der Hausarzt die richtige Ansprechperson. Außerhalb der Öffnungszeiten ist der Hausärztliche Notdienst unter der Telefonnummer 141 erreichbar, ebenso helfen die geschulten Fachkräfte der telefonischen Gesundheitsberatung 1450 rund um die Uhr. Zudem informiert die Website www.wobinichrichtig.at über die jeweils richtigen Anlaufstellen in der Gesundheitsversorgung. Damit sollen die Notaufnahmen Menschen vorbehalten werden, die auch tatsächlich die Hilfe des Krankenhauses benötigen.

Bewegung beugt vor
Der Experte empfiehlt abschließend: „Bewegung im Freien ist gut für Körper und Geist – gerade in Zeiten von Corona sollte man darauf nicht verzichten. Auch für unsere Beine und deren Durchblutung ist Bewegung die beste Medizin – damit tragen Sie langfristig dazu bei, dem Risiko für chronische Durchblutungsstörungen vorzubeugen.“

Symptome für akute arterielle Durchblutungsstörungen:

• Plötzliche starke und anhaltende Schmerzen im Bein, die sich beim Hochlagern verstärken

• Extremität ist kalt und blass

• Taubheitsgefühl

• Fehlender Puls an der betroffenen Stelle, wenn bereits ein Gefäßverschluss vorliegt

• Eingeschränkte Bewegungsmöglichkeit der Extremität

 

Symptome für akute venöse Durchblutungsstörungen (Venenthrombose):

• Plötzliche Schmerzen im Bein, die sich beim Hochlagern bessern

• Bein ist warm und geschwollen

• Eventuell rötliche Verfärbung

• Blutungen bzw. bläuliche Verfärbungen an den Zehen