STEYR. Wanderausstellung zeigt die Geschichte der Mitbestimmung. Im Mai 1919 wurde das Betriebsrätegesetz in Österreich verabschiedet und dadurch die Mitbestimmung der ArbeitnehmerInnen im Betrieb gestärkt und gesetzlich verankert ...

Im internationalen Vergleich nahm Österreich damit eine Vorreiterrolle in Sachen betrieblicher Mitbestimmung ein. Der hundertste Geburtstag des Gesetzes wird heuer in ganz Österreich gefeiert.

Auch in Steyr bildeten sich schnell Betriebsräte. So entstand etwa schon im Jahr 1919, unmittelbar nachdem das Gesetz in Kraft getreten ist, in der damaligen „Österreichischen Waffenfabrik Gesellschaft“, den späteren Steyr-Werken, ein Arbeiter-Betriebsrat. „Die Steyrer Betriebsräte waren Pioniere. Und bis heute gibt es in der Eisenstadt viele starke Betriebsrats-Körperschaften, die sich für die Anliegen der Beschäftigten einsetzen“, sagt Mario Roitmair, ÖGB Regionalsekretär.

Von 16. September bis 27. September kann man in Steyr in die Geschichte der BetriebsrätInnen in Österreich eintauchen. In der Arbeiterkammer-Bezirksstelle Steyr, in der Redtenbachergasse 1a, macht die Wanderausstellung „Erfolgsmodell Mitbestimmung“ Station, die anschaulich die spannende Historie der betrieblichen Mitbestimmung illustriert.

„Zentraler Bestandteil der demokratischen Kultur“
„Mitbestimmung ist ein zentraler Bestandteil demokratischer und betrieblicher Kultur in Österreich“, sagt Roitmair. Rund 40.000 Menschen engagieren sich als Betriebsratsmitglieder für die Rechte, Anliegen und Interessen ihrer KollegInnen. „Die Betriebsratsarbeit ist vielfältig und herausfordernd. Immer stehen dabei die gemeinsamen Interessen der gesamten Belegschaft im Mittelpunkt“.

Je größer die Belegschaft eines Unternehmens ist, desto wahrscheinlicher ist es, dass es einen Betriebsrat gibt. Die in Österreich stark vertretenen Klein- und Mittelbetriebe haben oft leider keine ArbeitnehmerInnen-Vertretung. In drei Vierteln der Betriebe mit mehr als 200 Beschäftigten gibt es jedoch eine Belegschaftsvertretung. In Unternehmen mit mehr als 500 MitarbeiterInnen sind es weit über 90 Prozent.

Mitbestimmung keine Selbstverständlichkeit
Zwischen 1934 und 1945 gab es in Österreich keine Betriebsräte. Diese Form der Mitbestimmung ist also nicht selbstverständlich, auch wenn es vielen heute so erscheint. Gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten versuchen Arbeitgeber oft, den Druck auf die ArbeitnehmerInnen abzuwälzen. Je mehr MitarbeiterInnen sich daher gewerkschaftlich in einem Betrieb organisieren, desto stärker wird die Position des Betriebsrats.

Aktuelle Umfragen zeigen aber auch, dass Arbeitgeber Betriebsräte durchwegs positiv sehen und auch schätzen. Die Einbindung von Betriebsräten bringt für die Arbeitgeber nämlich viele Vorteile: Die MitarbeiterInnen sind engagierter und motivierter, die Arbeitsleistung verbessert sich und dadurch sind auch die Unternehmen wirtschaftlich erfolgreicher.

WANN: 16. bis 27. Sept. 2019
WO: AK-Bezirksstelle, Redtenbachergasse 1a, 4400 Steyr